Im Gespräch mit Mike. Heroinsucht, Gefängnis - und der Weg raus.

Shownotes

Wie verläuft das Leben eines Menschen, der schon früh mit Drogen in Kontakt kommt und irgendwann “an der Nadel hängt”? Mike hat das selbst erlebt. Wir haben mit ihm darüber gesprochen, wie er in die Sucht geraten ist, wie er die Drogen finanziert hat, obdachlos wurde und dreimal im Gefängnis gelandet ist. Er erzählt uns aber auch davon, wie er es geschafft hat, sich zurückzukämpfen und heute ein erfülltes Leben hat.

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00:00:11: Herzlich willkommen zu True Criminology im Gespräch.

00:00:14: In diesem Format umruss Podcastes

00:00:16: kommen wir ins Gespräch mit Menschen, die etwas

00:00:17: Interessantes für den Bereich der Kriminologie zu berichten haben!

00:00:20: Mein Name ist Nicole Bögelein, Privatdozentin am Institut für Kriminologie der Universität

00:00:25: zu Köln.

00:00:25: Und mein Name ist Gina Wollinger, Professorin für Krminologie an der Deutschen Hochschule der Polizei in Münster.

00:00:31: Wir starten heute eine neue Reihe von True Criminology – nämlich wie Nicole gerade schon gesagt hat im Gespräch und wir freuen uns sehr dass wir diese Reihe mit Mike beginnen!

00:00:44: Das ist so die Idee dahinter, dass Menschen, die lange Zeit auf der Straße gelebt haben.

00:00:54: Die ich sage mal anfangs strichen Normalbevölkerung mehr als Bevölkerung wer auch immer da nicht so die Bezüge hat mal mitnimmt und mal ein bisschen einführt in die Lebensrealität das auch an Orten zeigt.

00:01:04: Und daher kennen wir uns weil ich öfter mit den Studierenden also mit meinen angehenden Polizistinnen Da war und haben uns kennengelernt und ich freue mich sehr Dass du dich bereit erklärt hast heute mit uns Auch für diesen Podcast zu sprechen.

00:01:15: herzlich willkommen

00:01:15: ja Dankeschön.

00:01:16: die Freude ist ganz meinerseits wenn

00:01:18: Wenn du diese Stadtrottgänge machst, stellst du dich am Anfang immer mal kurz vor.

00:01:24: Das ist ein ganz toller Beginn, um einen kurzen Abriss zu machen von dem, was dich geprägt hat in deinem Leben und vielleicht machst du das auch jetzt?

00:01:33: Stelle ich doch

00:01:34: einfach mal so vor!

00:01:35: Ich heiße Maik, ich bin siebenvierzig Jahre alt.

00:01:37: Ich wohne seit ca.

00:01:39: sieben, eineinhalb Jahren in Köln.

00:01:40: Ich komme eigentlich gebürtig aus dem Sauerland, genauer gesagt Lünenscheid.

00:01:44: Ich war zwanzig Jahre drogenabhängig davon, neunzehn Jahre auf Heroin... Ich war drei Mal im Gefängnis aufgrund von Beschaffungskriminalität.

00:02:00: Ich wohne jetzt seit der Entlassung von meinem letzten Gefängnisaufenthalt in Köln und bin seitdem auch clean, also drogenfrei.

00:02:09: So wenn man das jetzt hört glaube ich dann weiß man worüber wir alles reden könnten.

00:02:13: da sind wirklich ganz viele Anknüpfungspunkte die ja einfach auch spannend ist für Menschen die das so nicht erlebt haben.

00:02:24: Beginnen wir doch vielleicht ruhig mal damit, wie das alles angefangen hat.

00:02:28: Wie wird man denn oder wie bist du dann heroinabhängig geworden?

00:02:31: Also, das ist für mich eine ganz besondere Geschichte.

00:02:33: Ich hab ca.

00:02:34: mit fünfzehn Jahren in der achten Klasse in der Hauptschule angefangen zu kiffen.

00:02:37: Hab dann ein-zwei Jahre lang gekifft und jemand älteren kennengelernt.

00:02:41: Der zehn-, fünften Jahre ältern war wie ich.

00:02:43: Er hat immer Heroin geraucht auf Alufolie, so wie man es klassisch kennt.

00:02:47: Und er hatte immer etwas zu kiffern dabei.

00:02:49: Ich habe mich öfters mit ihm getroffen.

00:02:51: Er gab mir was zu kiffe.

00:02:52: Er rauchte sein Zeug.

00:02:53: Ich wusste damals gar nicht, was das Wortschore bedeutet.

00:02:57: Ich setzte das nicht mit Heroin gleich.

00:03:00: gegeben, sag ich mal und nach zwei drei Wochen als sich mich mal wieder mit ihm getroffen hat hatte er aber nichts zu kiffen dabei sondern hatte dann nur seine in Anführungsstrichen Schore dabei.

00:03:10: ja und da ich ihn so oft mit mir chillen sehen habe und es ging ihm nicht schlecht der hat nicht geklaut.

00:03:14: Der sah vernünftig aus also nicht wie der klassische Junkie vom Neumarkt hier in Köln oder von sonst wo hab ich gesagt dann lass mich das auch mal probieren und dass war eigentlich der Startschuss für die Karriere an Anführungstrichen.

00:03:26: Du sagst ja auch so der klassische Junkie, man hat da so ein Bild.

00:03:29: Ich finde gerade auch Heroine ist so etwas wo man ganz typisches Bild vielleicht so hat oder so ein stereotypes Bild und ich hätte damit auch immer verbunden wenn man heroin abhängig ist dann ist man so komplett raus aus einem normalen Leben.

00:03:39: Dann geht man nicht mehr zur Arbeit dann hängt man irgendwo nur an der Nadeln anfangen zu strichen.

00:03:43: aber du hast ja eigentlich so ein relativ normales Leben auch eine Zeit lang aufrecht erhalten oder?

00:03:48: Ja, relativ ist ein gutes Wort.

00:03:50: Also es ging bei mir hoch und runter.

00:03:52: ich hatte meine Freundin Ich kam aus dem Dorf Und ich sag's mal einfach so mit meiner Sprache Man kann sich da nicht so gehen lassen wie die Leute hier am Neumarkt.

00:03:59: man ist in Köln vielleicht ein bisschen anonymer als im Dorf und ich musste immer so ein bisschen den Schein wahren weil natürlich viele in der Stadt auch meine Freundinnen Meine Familie kannten und Mal sah ich besser aus mal schlechter oder habe mich besser Oder schlechter geführt.

00:04:11: aber das war eigentlich so mal um die Null Linie So eine Wellenbewegung mal hoch mal runter Aber dass man immer versucht hat sich am neuer dass man in der Öffentlichkeit nicht auffällt.

00:04:20: Aber aus Erfahrung kann ich auch sagen, ich habe in der Zeit ganz viele Arbeitskollegen-Freunde gehabt oder so wo niemand denken würde das sie Heroin nehmen würden.

00:04:28: also es ist schon möglich auch in gewisser Art und Weise das zu verstecken nicht immer und nicht überall aber es gibt tatsächlich Leute die nie entdeckt werden die das nehmen wo ihr's niemals glauben würdet.

00:04:39: Und du hast gerade in einer Vorstellung auch schon gesagt dass Du mehrmals versucht hast wieder aufzuhören Heroin zu nehmen Das aber mehrere Versuche gebraucht hat.

00:04:47: Vielleicht kannst du uns mal erzählen, wann hast du überhaupt so ein Problembewusstsein bekommen und gedacht das wird jetzt zu viel.

00:04:52: ich muss damit aufhören.

00:04:53: Und wie war dein erster Versuch?

00:04:55: Das Problembewusste kam mir immer meistens bin ich ganz ehrlich wenn ich kein Geld mehr hatte und alles scheiße war.

00:05:01: die Beziehung zur Freundin war Scheiße zur Familie Die Eltern waren böse und dass man sich dann gedacht hat Ich gehe jetzt in Entgiftungen probiere aufzuhören aber die ersten versuche waren tatsächlich Wie das auch bei den meisten Junkies ist Dass man denkt Man macht einen kaltenen Zug Zuhause und Dann Ist Alles gut was im Nachhinein einen Trugschluss war, dass man dann zwei Wochen zu Hause geblieben ist bis es einem körperlich und ein bisschen mental auch besser ging.

00:05:22: Aber sobald man dann wieder draußen war der Kopf war ja nicht in dem Sinne so repariert hat man wieder Drogen genommen.

00:05:29: Ja, das ging dreizehnmal dann.

00:05:31: Ich war immer freiwillig in Giftung und bin von selbst da hingegangen.

00:05:35: Ich habe auch von dreizehne Giftungen elf damals durchgezogen also nicht vorzeitig abgebrochen.

00:05:40: aber das längste was ich mal clean war nach der Entgiftung waren zwölft Tage weil man wird in der EntGiftung einfach nur entgiftet.

00:05:46: Der Körper ist wieder sauber aber der Kopf ruft ja immer noch nach der Droge weil dann noch verschiedene Sachen sind warum man die Drogen genommen hat die sich dann nicht aufgelöst haben nur weil man jetzt körperlich clean isst.

00:05:56: Du bist ja am Anfang auch noch arbeit... gegangen, mit deiner Freundin zusammengelebt.

00:06:00: Wo kam dann der Bruch?

00:06:01: Wurde da nicht mehr arbeiten gegangen bist und auch Wohnung verloren hast.

00:06:04: Irgendwann hast du ja auf der Straße gelebt.

00:06:06: wie kam es dazu?

00:06:08: also der bruch kam als irgendwann mal mein Chef zu mir gekommen ist und meinte, Mike ich heiße nicht was mit dir los ist.

00:06:15: Einen Tag bringst du hundertzwanzig Prozent Leistung, das immer festgehalten wurde in der Firma um manchmal nur sechzig Prozent Leistungen und von ihm kam original der Ausspruch bist du tablettenabhängig?

00:06:25: Wahrscheinlich ist das das erste was so ein normaler Mensch der nichts mit Ruhm zu tun hat dann denkt.

00:06:30: und das hat mich zu Denken gegeben.

00:06:32: Ich war schon elf Jahre in der Firm am Arbeiten.

00:06:34: dann dachte ich, Scheiße was mache ich denn jetzt?

00:06:37: Dann bin ich einfach zu der Vertrauensperson im Betrieb.

00:06:39: Das war ein relativ großer Betrieb.

00:06:40: da gibt es sowas wie einen Vertrauungsbetriebsrat.

00:06:42: Bin dahin gegangen habe mich dem offenbart, hab gesagt dass ich eine Therapie machen möchte.

00:06:46: Der fand das auch gut.

00:06:47: überhaupt als ich mich offenbart habe und die wollten mein Arbeitsvertrag solange noch weiter laufen lassen.

00:06:52: aber weil die Firma so gut zu mir damals war, habe ich gesagt ne... Ich kündige einfach mache meine Therapie und wenn's die gegebenen beiden zulassen komme ich wieder zurück was dann leider nie passiert ist.

00:07:02: So das war eigentlich der Bruch wo ich dann erst mal richtig verstanden habe, dass ich süchtig bin und das es jetzt auch der Außenwelt komplett auffällt.

00:07:10: Nicht nur meiner Freundin sondern sogar meinem Chef, meinen Arbeitskollegen usw.

00:07:14: Das war eigentlich der Bruch wo ich dann angefangen hab was gegen die Sucht zu tun.

00:07:18: Mal mehr, mal weniger manchmal am Rückfälle auch eins zwei Jahre gedauert bis ich dann wieder in eine Therapie gegangen oder wieder in Entgiftung gegangen bin.

00:07:25: Und nachdem du ja deinen Job verloren hattest?

00:07:29: auch kein Einkommen mehr hattest, wie hast du dich finanziell über Wasser gehalten?

00:07:33: Also ich habe damals relativ gut verdient.

00:07:34: Das war wo ich mich zuletzt daran erinnern, es ist im Jahr zehntausend dreiteinzehnte.

00:07:37: Ich hatte zweitausend achthundert Euro netto verdient manchmal dreitausend Euro.

00:07:41: Ich hab ein sehr gutes arbeitslosen Geld gekriegt, tausend vierhundfünfzig Euro.

00:07:45: Erinnere ich mich heute immer noch ganz genau.

00:07:47: und in meinem Junkie-Denken habe ich mir dann auch gedacht das nutze ich jetzt erst mal aus.

00:07:51: Ein Jahr!

00:07:52: Ich hatte keine Unkosten.

00:07:53: Ich habe beide Freundinnen gewohnt, habe aber das ganze Geld wieder für Drogen ausgegeben.

00:07:57: eigentlich bin ich in der Spirale weiter nach unten gesunken, so ohne dass es mir so richtig aktuell bewusst war.

00:08:03: Dass das irgendwie passiert und ...

00:08:05: Ich kenne mich jetzt nicht so gut aus mit den Preisen für Heroin.

00:08:08: Aber ehrlich gesagt, ¥ toujours für einen Monat Finanzierung von Heroinsuch kommt mir zu wenig vor!

00:08:14: Wie hast du das, also dir überhaupt die Drogen finanziert?

00:08:17: Also es wäre noch dreitausend Euro netto zu wenig gewesen weil Drogen sind einfach so dass sie nie genug bekommen.

00:08:23: irgendwie.

00:08:23: ich wär mit fünfzig Euro am Tag über die Runden gekommen da sich mich einfach so gesund fühle wie ihr euch jetzt so einfach ganz normal fühlen.

00:08:30: aber wenn ich dreihundert Euro am tag gehabt habe hab ich die auch in Drogen investieren.

00:08:34: Also das Geld war immer zu wenig.

00:08:36: Ich hatte damals nur Glück, weil alle wussten, dass ich gut verdiene und ich eigentlich noch so in der Öffentlichkeit ein Bild abgegeben habe, da sich gut situiert bin, einen guten Job hab und so.

00:08:45: Dann konnte ich mir natürlich auch oft was leihen.

00:08:48: Viele Leute haben mir vorgestreckt.

00:08:49: Ich war damals zum Beispiel noch kreditwürdig bei den Banken.

00:08:52: Das habe ich dann alles ausgereizt bis es überhaupt gar nicht mehr ging, bis ich nicht mal mehr ein Handyvertrag bekommen

00:08:58: hab.".

00:08:59: Und wann hast du angefangen Straftaten zu begehen?

00:09:02: Auch noch mal jetzt sozusagen zur Kriminalität zu kommen, so ganz direkt.

00:09:05: Also tatsächlich bei vielen Leuten fängt erst die Drogensucht an und dann die Straftat.

00:09:11: Ich wurde tatsächlich das erste Mal schon mit sechs Jahren beim Sonnenbrillen klauen.

00:09:14: bei Fotoforst vergesse ich nie.

00:09:16: vielleicht kennen manche den Laden noch erwischt.

00:09:18: ich weiß auch nicht was mich da geritten hat keine Ahnung aber Ich hab eigentlich immer schon Diebschäle begangen, aber als die Drogensucht angefangen hat, habe ich das nur noch für die Drogen-Sucht gemacht.

00:09:28: Vorher habe ich es nur gemacht weil ich auch nicht aus so einem guten Elternhaus komme was jetzt nicht sehr vermögend war.

00:09:33: Mein Vater war Arbeiter meine Mama zu Hause wie das früher in den achtziger Jahren war einmal mehr im Urlaub fahren mit Taschengeld und so war relativ wenig.

00:09:42: Wir waren insgesamt vier Geschwister zusammen und wir haben relativ oft schon so im Spar, mal eine Tafel Schokolade geklaut.

00:09:48: oder das war bei uns in der Siedlung damals im Dorf Gang & Gebe.

00:09:51: In dem Metier wo wir uns aufgehalten haben aber so richtig zum professionellen Diebschall ist es eigentlich erst wegen der Drogensuche gekommen also dass ich Sachen geklauert habe verkauft hab im Kiosk eine Pizzeria oder so um damit meine Drogen zu finanzieren.

00:10:04: Bei den sozialen Stadtrundgängen hast du auch öfter mal erzählt wie so als du dann wirklich richtig süchtig warst Wie der Tag so abläuft.

00:10:12: Welchen Gedanken rat auch das Thema Suchtdruck?

00:10:15: Das fand ich ganz eindrücklich, weil ich mir das vorher noch nie vorstellen könnte.

00:10:19: Magst du das mal erzählen?

00:10:20: Ja gerne!

00:10:21: Meistens war es so, dass ich mir tagsüber mein Zeug besorgt hab und dann abends mir noch ein bisschen Zeug aufbewahrt habe um ... dass ich das morgens früh nach dem Aufschägen nehmen kann, damit ich überhaupt auf die Beine komme.

00:10:31: Weil wenn herinabhängiger Morgens noch am Aufschläge nicht direkt was nimmt ist man direkt entzügig.

00:10:35: Man hat acht Stunden geschlafen, acht Stunden keine Drohung konsumiert.

00:10:38: Man ist direkt entsüglich.

00:10:39: bei mir lief es dann so ab, wenn ich um zehn Uhr eingeschlafen bin und jeder kennt's vielleicht, man wacht mal eine Nacht auf um vier oder dreißig muss zur Toilette.

00:10:46: Ich konnte ab diesem Punkt nicht mehr schlafen weil sich der Entzug dann gemeldet hat.

00:10:50: Ich habe eigentlich nur noch gewartet.

00:10:51: früher war netto so der Laden wo ich am meisten geklaut hab, weil es da am leichtesten ging bei uns im Dorf bis um sieben Uhr morgens der Netto aufgemacht hat.

00:11:00: Ich habe gesehen, wie die ganzen Waren angeliefert wurden, die Filialeitung, die schön in die Regale eingeräumt hat und dann kam ich da rein mit meinen großen Armi-Rucksack von der Armee, der hatte glaube ich fünfzig Liter Fassungsvermögen und hab dann da zwanzig dreißig Pakete zum Beispiel Dalmaier Prodomo Filtercafe reingetan.

00:11:16: Obwohl kein Mensch im Laden war bin dann so durch die Kasse rausgegangen ohne was zu kaufen und habe den Kaffee direkt morgen zum acht Uhr an mein Heller verkauft damit ich mir erstmal meine Drohung kaufen konnte, um danach weitere Diebstähle zu begehen.

00:11:30: Weil ich auch drogentechnisch über den Tag kommen musste.

00:11:32: einfach also sobald ich nachts erst mal wach war war ich wach.

00:11:36: Ich konnte nicht mehr schlafen, weil der Kopf mir keine Ruhe gelassen hat.

00:11:39: Das ist auch die Angst vor dem Entzug, auch wenn er noch nicht voll da ist.

00:11:42: Man hat einfach Angst!

00:11:43: Man weiß ganz genau boah, in ein zwei Stunden geht's mir schlecht.

00:11:46: Ich hab Durchfall, ich habe Krämpfe, ich hab heiß kalten Schweiß, muss mich übergeben vielleicht und so

00:11:52: weiter.".

00:11:52: Ja, ich fand das sehr eindrücklich als du das beschrieben hast oder jetzt auch so beschreibst was so Entzügigkeit bedeutet dass man es so im Kopf hat und das bestimmt ja dann quasi auch den ganzen Tag.

00:12:01: also die Gedanken drehen sich um... Drogen beschaffen und nehmen.

00:12:06: Wenn wir jetzt noch mal auf voller Kriminalitätsseite drauf gucken, hätte es irgendetwas gegeben, was dich davon abgehalten hätte diese Diebstähle zu begehen?

00:12:12: Weil manchmal gibt es ja kriminalpolitisch dann immer so diese Forderung ist braucht da mehr Überwachung, es braucht Videoüberwachung höhere Strafen oder so.

00:12:20: wie würdest du darauf blicken?

00:12:22: jetzt aus der Situation die Du ja selbst kennst?

00:12:24: Da habe ich eine ganz klare Meinung zu.

00:12:26: also diese höhere Überwachungs- oder Strafen.

00:12:28: das hat mich relativ null... Prozent interessiert.

00:12:32: und wenn auch hunderttausend Kameras im Laden gewesen wären, es hat mich gar nicht interessiert weil ich einfach gar keine andere Wahl hatte.

00:12:38: Entweder dir geht's jetzt schlecht du kannst gleich nicht mal mehr aus dem Bett aufstehen laufen oder du gehst in den Laden rein klauen egal wie viel Detektive da sind, egal wie viele Kameraster.

00:12:46: das hätte mir überhaupt gar nichts genutzt.

00:12:49: also Ich musste einfach los Klauen Geld machen.

00:12:51: Mir hätte einfach nur Es ist utopisch zu sagen aber mir hätte nur genützt Wenn mir jemand Geld zugesteckt hätte oder Drogen was anderes hätte mir nicht genützten Schwere Krankheit hast und du brauchst dein Medikament.

00:13:02: Da hilft dir keine Zuwendung, da hilft dir kein Gut zu reden!

00:13:05: Du brauchst deinen Medikamen und du würdest auch in dem Moment alles tun

00:13:08: dafür.".

00:13:09: Und dazu war ich ja bereit damals.

00:13:10: Und dann aber irgendwann merkt er vielleicht auch mal so ein Netto-Ahr der kommt immer rein mit den... es geht dann wieder rauszahlt nichts.

00:13:16: das heißt du wirst erwischt?

00:13:18: Ja

00:13:18: Und du bist aber in einer Situation, in der es dir eigentlich schlecht geht und du so schnell wie möglich dir Drogen kaufen willst.

00:13:23: Wie lief so eine Situation dann ab?

00:13:25: Was da passiert?

00:13:25: also

00:13:26: habe ich ganz viele Situationen gehabt.

00:13:28: kann euch zum Beispiel mal einer erzählen Ich komme netto rein ab morgens fünfzig Euro in die Tasche muss mir davon aber Drogen kaufen aber auch gleichzeitig Hunger.

00:13:35: gehe morgens in Netto rein klau mir ein paar Milchschnitten oder irgendwie.

00:13:38: was steht an einer Kasse um.

00:13:39: die Kassierin sagt wir hatten sie nicht im Milchschnitt in der Hand ist auch ne hatte ich nicht hat das aber in der Jackentasche stecken und er sagt Sie Aber Da sind die.

00:13:47: doch kommt so ein Impuls im Gehirn und ich renne los.

00:13:50: Und ich hatte diese fünfzig Euro noch in der Hand, jeder kennt diese Eingangsteppiche wenn man durch die Schiebetür geht von einem Aldi netto oder so.

00:13:57: da sind immer diese großen Teppiche und genau da ist mir der Fünfzig-Euro-Schein runtergefallen.

00:14:02: Ich war aber fünf Meter weg vom Teppich und die Kassiererin auch und ich guck zurück Scheiße mein Drogengeld!

00:14:07: Ich brauche das Geld und ich will zurück, will das Geld noch aufheben und sie hat es erster gehabt.

00:14:12: Da habe ich sie natürlich gelassen bevor ich eine Anzeige bekomme.

00:14:15: Ja, aber das waren so klassische Situationen halt.

00:14:18: Das hat mich alles gar nicht interessiert.

00:14:20: Du hast eben bei deiner kurzen Vorstellung auch gesagt, dass du mehrmals im Gefängnis warst?

00:14:25: Wie hast du das erlebt?

00:14:26: Als ich muss sagen, das erste Mal im Gefängnis habe ich es gar nicht so als Gefängnis wahrgenommen.

00:14:31: Es war alles gut.

00:14:31: Ich hab nach einem Monat nach zwei Wochen Arbeit bekommen.

00:14:34: Im Gefängnes ist ein sehr gut strukturierter Tagesablauf vorgegeben mit Arbeiten bis sechzehn Uhr danach duschen, Freistunde dann einen Umschluss wo man sich in andere Zellen mit Kollegen einsperren darf.

00:14:44: noch eine Stunde kochen in der Küche.

00:14:46: Ich war tatsächlich um viertel nach acht abends müde und lag im Bett.

00:14:49: Das gefängnis hat mir gar nichts gemacht.

00:14:51: Es waren nur drei oder vier Monate aber ab dem zweiten Gefängnessaufenthalt wurde ich da mehrere Monate ohne Arbeit war, ohne Tabak.

00:14:58: Ohne finanzielle Mittel wovon ich mir hätte besonders Essen kaufen können weil im Gefängnis ist das Essen nicht immer so toll und es auch nicht immer in der Menge verfügbar wie man Hunger hat.

00:15:09: also manchmal möchte man mehr essen aber es ist nichts mehr da.

00:15:11: ja das war schon eine harte Zeit aber tatsächlich der dritte gefängnisaufenthalt er war für mich der schlimmste.

00:15:17: da war ich in Attendorn.

00:15:18: in der JVA sollte eigentlich einen offenen vollzukommen aber weil ich daneben mein Methadonprogramm noch gekifft hatte hat man mich in geschlossenen vollzug gesteckt.

00:15:26: Das war erstmal ein Schock für mich, den ersten monatzehnundzwanzigstunden Zelle nur freigang gehabt.

00:15:31: und tatsächlich das war der dritte gefängnisaufenthalt wo ich klin geworden bin weil er am härtesten war einfach also man war abgeschottet und allein in der zelle

00:15:40: wenn ich noch mal einen Schritt zurückgehen darf.

00:15:41: Du hast erzählt, dass du im Gefängnis warst.

00:15:44: und wie war denn das erste Mal da ankommen?

00:15:46: Also wie bist du überhaupt dahin gekommen?

00:15:48: Wann hast du verstanden?

00:15:49: Ich muss jetzt ins Gefängnes!

00:15:50: Und bist du da selber vorstellig geworden?

00:15:51: Hat die Polizei dich hingefahren?

00:15:52: Wie war es?

00:15:53: Das Erste in meinem Gefängnissen war schon beeindruckend.

00:15:56: Das weiß ich auch heute noch ganz genau.

00:15:57: Man bekommt erst einmal ein Stellungsbefehl, dass man eine Strafe antreten muss.

00:16:01: der ist dann auf zwei oder vier Wochen vordertiert.

00:16:03: So man zwei oder Vier Wochen Zeit hat sich zu stellen.

00:16:06: Die Hoffnung hatte, dass ich in offenen Vollzug komme habe ich mich auch selbst... gestellt, weil wenn man sich nicht selber stellt kommt man nicht in Offenen.

00:16:12: Aber wie ich gerade sagte, weil ich dann auf THC-Positiv war bin ich nicht in offenen gekommen.

00:16:17: Was für mich schockierendst war was mir auch heute noch in Erinnerung ist viele denken gar nicht daran oder die Leute die noch nie im Gefängnis waren und man kommt an und muss sich vor drei oder vier Fremden Menschen, also zwei Beamten und zwei Häftlingen die damit arbeiten.

00:16:29: in der Kammer wo man seine Gefängniskleidung und seine Sachen bekommt muss man sich erstmal komplett nackig ausziehen.

00:16:35: Und dann bekommt man Unterhosen.

00:16:37: ich nenn's mal in meinen Worten so im sechziger Jahre-Style wie unsere Großväter noch angabt haben so ein Feinripphemd, so eine Feinrib Unterhose keine neuen Unterhausen die sind einfach gewaschen worden und dann bekommtman die meisten sind ja auch ein zwei Nummern zu groß und das nimmt einen schon.

00:16:52: Wie soll ich das sagen?

00:16:53: Das kratzt schon an der Ehre, wenn man dann so fremde gebrauchte Unterwäsche anziehen muss und überhaupt gar kein eigenes Kleidungsteil mehr anhört.

00:17:01: Man verliert seine Identität.

00:17:03: Wenn man reinkommt bekommt nur noch eine Nummer und man ist einer von fünfhundert oder so.

00:17:08: Das war ein krassesten eigentlich

00:17:09: damals.

00:17:10: Gefängnis- und Drogen sind ja auch nochmal so'n Kapitel für sich.

00:17:13: Also man würde jetzt als Mensch da draußen, das denkt man erst mal klar... bist du da kling geworden, weil es keine Drogen gibt.

00:17:18: Wenn man sich auskennt mit dem System weiß, im Gefängnis gibt's alle Drogen und man kommt auch dran.

00:17:22: Man muss sie bezahlen können.

00:17:23: Wie war das für dich?

00:17:24: Wie war dein Umgang?

00:17:26: Du warst ja süchtig und wolltest an Drogen rankommen!

00:17:29: Also wie hat sich das gestaltet?

00:17:30: Ich war damals im Metadomprogramm, wo ich ins Gefängnis gekommen bin, wurde dann weiter substituiert im Gefägnis.

00:17:36: Wer substituert wird, wird regelmäßig Urinkontrollen unterzogen.

00:17:41: Deshalb hab' ich Abstand genommen von anderen Drogen zu nehmen.

00:17:45: Ich positiv auf andere Drogen gewesen wäre, zum Beispiel auf TRC.

00:17:48: Hätte man mich im Gefängnis sofort anders wie draußen aus dem Metadonprogramm rausgeschmissen und das wär natürlich der Hammer gewesen für mich weil dann hätte ich einen richtig krassen Entzug gehabt mit Schmerzen.

00:17:58: deshalb habe ich nichts anderes genommen außer das Methadon.

00:18:01: aber es war ein alle Drogen verfügbar da.

00:18:03: Es drehte sich immer nur halt um den Preis, also man bekommt im Gefängnis damals was?

00:18:08: Zwei tausend neunzehnt, circa zweiunddreißig Euro Taschengeld im Monat.

00:18:11: Ich habe mir davon immer fünf Pakete Tabak gekauft und zehner Paket Blättchen non-Zitronen Tee ohne Tüte Flips.

00:18:16: Dann war auch mein Monatsgeld weg.

00:18:18: aber es gab andere Leute unter anderem auch Zellennachbarn die dann ihren Monats Einkauf bei dem Dealer gegen Drogen getauscht haben.

00:18:25: Geld ist im Gefägendes nichts wert.

00:18:26: das läuft dann eher so dass wenn man Umschluss hat und dass man seine Einkaufsliste zwei Wochen bekommt, mitnimmt zu dem Dealer sich da eine Stunde bei dem in die Zelle einsperren lässt.

00:18:35: Dann sagt man ich will für zwanzig Euro zum Beispiel ein bisschen Cannabis kaufen und dann sagt er dann gibt mal deinen Einkaufsliste, ich kreuzer drauf jetzt an was ich alles möchte und dann bringst du dein Einkauf zu mir.

00:18:45: also ich habe tatsächlich Leute gesehen diese diese dreißig euro roundabouten dreißige euro Taschengeld für zwei Gramm Gras vertauscht haben und dann den ganzen Monat ohne Tabak waren das ich als Raucher schlimm finde.

00:18:57: Nur, dass sie halt ein oder zwei Tage mal kiffen können.

00:19:00: Aber das hab ich nicht gemacht!

00:19:02: Ja aber so läuft's ab...

00:19:03: Und wie haben die dann den Monat verbracht?

00:19:05: Weil ich meine kein Tabak haben ist ja scheiße.

00:19:07: also tauscht man da wieder was und muss was dafür hergeben.

00:19:10: oder wie läuft

00:19:10: es?

00:19:10: Meistens macht man das dann auf Schuldenbasis.

00:19:14: Dann isst man aber In so einem System drin, dass man eigentlich immer Angst haben muss in der Freistunde rauszukommen.

00:19:19: Es gab tatsächlich auch Leute die dann monatelang nicht mal diese eine Stunde Freistunden benutzen weil sie vielleicht Schulden hatten oder so.

00:19:26: meistens läuft es so.

00:19:28: Ich habe zum Beispiel, wenn ich immer Tabak hatte und meine Zigaretten ausgedrückt hab.

00:19:31: Habe ich die immer in so einem Marmeladenglas gesammelt Und manchmal kamen Leute an die Zellentüren gefragt ob eine Zigarette ist und dann habe ich denen das gegeben.

00:19:39: Es gab aber auch in jedem Knast wo ich war und ganz viele Leute Die einfach auf dem Freistundenhof diese Stimmel aufsammeln die Ausgedrückten Zigaretten die aufmachen sich wieder Zigarretten drehen.

00:19:48: also ganz arme Menschen eigentlich.

00:19:50: Aber davon gab es viele.

00:19:51: Also das war kein Sonderding oder so Das war Standard eigentlich.

00:19:55: Dieser dritte Gefängnisaufenthalt war anders weil du hattest dass es keine Arbeit, du warst plötzlich sehr viel mehr allein als man das eh schon ist im Gefängnis.

00:20:02: Warum?

00:20:03: Was würdest Du sagen?

00:20:03: wiefern hat dieser Aufenthalt dann was geändert?

00:20:06: Dieser Aufenthalte hat mich eigentlich im Nachhinein Klin gemacht und ich muss eigentlich dankbar sein für diesen dritten Aufenthald weil ich hatte vorher immer eine Freundin, eine Familie die hinter mir gestandert teilweise auch noch echte Freunde.

00:20:17: aber bei meinem dritten gefängnisaufenthall war's so da sich Kein Fernseher hatte, keine Arbeit hatte und das über Wochen.

00:20:24: Und mir dann irgendwann dachte ich lasst mir vom Werther Briefpapier geben einen Stift und schreibe ein Brief.

00:20:30: Als er mir das gebracht hat, saß ich an meinem Tisch wollte im Brief schreiben und hab mir gedacht Scheiße!

00:20:35: Wem schreibst du so ein Brief?

00:20:36: Freundinnen will nichts mehr mit dir zu tun haben die Kinder nicht, die Eltern nicht.

00:20:40: Freunde hatte ich schon gar nicht mehr.

00:20:41: Das waren nur noch Konsumkollegen.

00:20:42: Die haben gar nicht mal gemerkt dass ich Monate in der Stadt war oder die jetzt nicht interessiert.

00:20:46: Und das war tatsächlich der Punkt wo ich mir dann gedacht habe scheisse Mike.

00:20:50: Eigentlich gibt es nur noch eine schlimmere Stufe, das ist tot.

00:20:54: Erst mal irgendwo weggesperrt sein keiner weiß wo du bist du bist allein in einem Raum.

00:20:58: danach kommt nur noch der Tod und das war tatsächlich der Tag wo ich dann nach zwanzig Jahren Drogenabhängigkeit zum Sanitäter so nennt man diesen allärztlichen Dienst im Gefängnis hingegangen bin und gesagt habe Ich möchte das Methadone nicht mehr nehmen und das dann auch von den Tag an schlagartig abgesetzt hat.

00:21:14: Ich hatte damals eine Einzelzelle, aufgrund deshalb dass ich das Methadon nicht mehr genommen habe, hat man mir die Einzelzähler wieder weggenommen.

00:21:20: Eine Einzelzahl ist was ganz Besonderes im Gefängnis weil man halt Privatsphäre hat.

00:21:24: und dann hat man gesagt, dass ich jetzt in Suizid gefährdet wäre, weil man ja nicht wüsste wie ich auf Entzug reagiere.

00:21:30: und da hat man mich wieder ne Viermannzelle gestopft.

00:21:33: Das hab' ich dann vier Wochen durchgemacht mit Durchfallen, Magenkrämpfe, Schüttelfrosts, Erbrechen, Appetitlosigkeit.

00:21:40: Ich beschreibe so ein Entzug immer so hundertmal stärker wie eine Grippe, wie normale Grippesymptome.

00:21:45: Falls ich das bekannt ist was ich mal denke ja und dass war dann eigentlich der Wendepunkt bei mir wo ich gedacht habe Mike das wars jetzt es geht nicht mehr tiefer sonst bist du tot beim nächsten Gefängnis Aufenthalt oder kommst noch nicht einmal mehr ins gefängnis.

00:21:57: Das war der ausschlaggebende Punkt wo ich gesagt hab ich möchte einfach nicht mehr

00:22:01: Und dann war dieser Gefängnis-Offenthalt irgendwann vorbei.

00:22:04: Du hattest jetzt also es geschafft, auch vom Methadon wegzukommen aber trotzdem ist das ja in der Regel nicht so dass alles organisiert ist wenn man aus dem Gefängnestyel rausgeht.

00:22:12: Wie hast du das erlebt?

00:22:13: Was ist denn passiert?

00:22:14: Also es ist überhaupt gar nichts.

00:22:15: da muss ich mal eine Lanze für die Heftlinge brechen.

00:22:17: Es ist überhaupt nichts im Gefängnes organisiert.

00:22:20: Von Resozialisierung hab' ich eigentlich fast gar nix gespürt.

00:22:24: Als ich ne Wohnung gesucht habe hat man mir zwei drei Wohnungen von Imo Scout runtergeladen Die ich eh niemals hätte bekommen aufgrund meiner Schuhe im Gefängnis.

00:22:32: Ich hätte nicht mal ein Besichtigungstermin wahrnehmen

00:22:35: können.".

00:22:35: Schlussendlich hat mich gerettet, dass das Haus Ruprecht ... Das ist hier in Köln und das ist ein betreutes Wohnen für straffällig unter bewährungsstehende Männer.

00:22:44: Dass die mich gerrettet haben, weil sie sind in die JVA gekommen.

00:22:48: Das machen die immer wieder einmal wenn die freie Wohnplätze haben.

00:22:51: Die sind in den JVA bekommen, haben ihr Haus vorgestellt, ihr Konzept.

00:22:54: Und ich fand das so cool, weil es eigentlich ... Auch heute noch meines Wissens nach das einzigste betreute Wohnen in Köln ist, wo Drogen nicht toleriert werden.

00:23:03: Wo unangekündigte Urinkontrollen stattfinden und so weiter.

00:23:06: Und ich habe mich dann für das Haus beworben In einem sechstiener vierseitenlangen Bewerbung schreiben was man da auch anfertigen muss.

00:23:12: Noch ein Infogespräch, wo mich dann im JVA hingefahren hat In Handstellen damit ich mir das Haus angucken die Leute mich kennenlernen.

00:23:19: Ich bin in dem Haus tatsächlich gelandet und ich würde jetzt im Nachhinein sagen dass mir das am allermeisten geholfen hat clean zu bleiben weil ich danach auch schon vielen anderen betreuten wohnen war, wo Drogen... und verfügbar waren oder dir sogar bis an die Tür gebracht wurden, aber da war es genau ganz anders.

00:23:35: Wir blicken ja immer so ein bisschen krimiologisch auch auf Suchpolitik

00:23:38: usw.,

00:23:39: Und wenn man deine Geschichte sich anhört könnte man ja sagen naja diese ganzen Entzugssachen bringen gar nichts.

00:23:44: eigentlich muss man die Leute ich sag das mal sowas spitzgesagt.

00:23:46: Man kann ja sagen wir müssen alle in Knast stecken dann werden die clean.

00:23:50: und damit haben natürlich Nicole und ich ein bisschen unser Störgefühl weil das natürlich nicht so ganz unser Ansatz ist.

00:23:55: was würdest du dazu sagen?

00:23:57: hilft es muss man den ganzen Druck in den Knast stecken?

00:24:01: Also ich glaube überhaupt gar nicht, dass das hilft.

00:24:03: Ich habe am Anfang auch gedacht bei den zwei Therapien die ich nicht abgeschlossen hab, dass mir das überhaupt nichts gebracht hat und auch die zwei die ich abgeschlossen habe, dass es mir das nichts gebracht hatte.

00:24:12: aber im Nachhinein als sie im Haus Ruprechtstraße war, habe ich dieses Wissen alles was sich in der Entgiftung, in der Therapie mitbekommen gegeben habe, kopfmäßig umgesetzt.

00:24:22: Also man bekommt zum Beispiel so einen psychischen Notfallkoffer.

00:24:25: was macht man wenn man Suchtdruck hat?

00:24:26: Das hört sich jetzt vielleicht gerade doof an für Leute die aktuell noch Drogen nehmen irgendwas Scharfes essen oder bei Sucht druck ein Liter Wasser trinken dass das weggeht.

00:24:34: ich hab das auch immer früher gedacht ach kommt ihr mit eure besser wissertipps und so.

00:24:38: aber im Nachhinein haben mir viele Dinge was die Pfleger Ärzte und so mir erzählt haben alles hat das im nach hinein hat das Wirkung gezeigt.

00:24:46: in meinem Kopf Wenn auch nicht immer Alles und alles sofort Aber irgendwie hat sich da was zusammengebaut, dass ich dann damit umgehen konnte.

00:24:53: Ich glaube das ist ganz spannend auch weil es ja noch mal das bestätigt, was auch Leute in den Bereich tätig sind sagen es braucht oft mehr Ansätze aber jeder ist immer schon so ein kleiner Stein in Richtung desgebnestückchen.

00:25:03: weiter.

00:25:04: Man sagt ja auch also besonders Heroin Das ist eine Rückfallkrankheit.

00:25:07: Also das ist Ganz normal Dass leute zehn zwanzig dreißig Mal rückfällig werden oder auch vier fünf sechs sieben Therapien machen Das ist normal.

00:25:15: Das ist ein Weg dahin, das ist die

00:25:17: Krankheit.".

00:25:17: Und jetzt habt ihr beide Gina und Mike am Anfang gesagt, ihr kennt euch von den Stadtrundgängen... ...und ich war glücklicherweise auch irgendwann dabei und hab dich dann kennengelernt genau und du warst auch schon mal bei uns an der Uni und hast da auch schon meiner Vorlesung erzählt und da warst du gemeinsam mit der Oase.

00:25:31: Vielleicht kannst du uns noch einmal erzählen wie es zu dieser Kooperation mit den Stadtspaziergangenen mit der oase kam und was du da machst?

00:25:37: Ja also das ist eine bisschen längere Geschichte.

00:25:39: Ich habe einen besten Freund der heißt Kahn.

00:25:41: Den habe ich in meiner Obdachlosenzeit im Köln kennengelernet in der Nordschlafstelle im Johanneshaus, also die größte Nordschaftsstelle hier in Köln.

00:25:47: Und er hat mir immer von diesem Ding erzählt Straßenzeitungen zu verkaufen und so weiter.

00:25:52: Ich habe da nie viel davon gehalten weil es mir auch eigentlich schwer fällt auf fremde Leute zuzugehen vor allen Dingen den irgendwas anzudrehen in Anführungsstrichen wie eine Straßenzeitung.

00:26:01: Und ich hab das immer verneint und irgendwann meinte kann wir haben heute ne offene Redaktionssitzung kommen doch einfach mal mit.

00:26:07: Und dann bin ich mitgekommen, hab die Leute da kennengelernt und ich habe mich direkt gut aufgenommen.

00:26:11: gefühlt wurde nach meiner Vergangenheit oder was ich im Leben geleistet habe, oder nicht.

00:26:16: Und so bin ich da reingerutscht ins Straßenzeitungsverkaufen und dann hab' ich von den Stadtrundgängen

00:26:21: gehört.".

00:26:22: Ich fand das eigentlich sehr interessant.

00:26:23: Bin dann ein-, zweimal einfach nur als Zuhörer mitgelaufen.

00:26:26: Hab mich am Anfang auch extrem geschämt vor Leuten ... vor fremden Leuten aufzutreten und meine Geschichte zu erzählen.

00:26:33: aber als ich gemerkt hab wie Kan das macht und dass es gar nicht so verurteilt wird, den Weg, dem man gegangen ist, hab' Ich mache mir das, muss ich wirklich sagen.

00:26:44: Richtig Spaß!

00:26:44: Und ich habe auch ganz viele nette Leute wie euch zum Beispiel.

00:26:47: Euch hätte ja niemals kennengelernt ohne diese Stadtrundgänge und ihr seid nicht nur die einzigsten da gibt es vielleicht noch zehn, zwanzig Leute mit denen ich heute auch noch gut Kontakt hab'.

00:26:54: und dass mein neues Leben einfach endlich angekommen fühle ich mich dadurch so... Auch in der Gesellschaft.

00:26:59: Und du hast jetzt ja auch eine Wohnung?

00:27:02: Das hatte ja auch so ne ganz besondere Geschichte, wie du zu deiner Wohnung gekommen bist.

00:27:05: Ja also ich habe seit sechzehn Monaten eine Wohnung.

00:27:09: Ich war sechs Jahre wohnungslos obdachlos in Köln und die Wohnung habe ich tatsächlich nicht durch die GAG oder durch Sozialamt, Wohnungsamt wie die meisten erstmal vermuten würden gefunden.

00:27:21: Sondern ich hab ganz normal meinen draußenseiter Straßenmagazin draußen verkauft einen heutzutage besten Freund von mir aus Heidelberg kennengelernt, der mich jetzt dann auch seit fast vier Jahren kennt.

00:27:31: Und er hat irgendwann gesagt Mike das kann so nicht weitergehen ich kaufe jetzt einfach eine Wohnung in Nippes und vermiete die an dich.

00:27:37: ja und so ist es jetzt gekommen.

00:27:38: Jetzt bin ich seit sechszehn Monaten ungefähr in der Wohnung.

00:27:41: mein Vermieter kommt auch alle zwei Monate zu Besuch.

00:27:43: Der ist ein bisschen meinen ambulanter Betreuer Weil ich immer noch Probleme habe mit dem Wohnen.

00:27:49: Das ist nicht damit gegeben, im Obdachlosen eine Wohnung zu geben.

00:27:52: Man muss auch wieder wohnen lernen und kochen lernen sich um die Rechnung kümmern den Haushalt in Ordnung halten.

00:27:58: das fällt mir natürlich jetzt immer noch ein bisschen schwer.

00:28:00: aber ich weiß immer ich hab so ne Deadline.

00:28:02: alle zwei Wochen kommt der Famita zum Besuch weil er gerne in Köln in Altstadt geht feiern und sucht.

00:28:07: dann weiss ich dann muss die Wohnung so sein wie er sie mir übergeben hat.

00:28:10: bis jetzt bin ich auch stolz darauf habe ich es auch immer so geschafft.

00:28:14: Ich weiß, bei den Stadtrundgängen haben Studierende von mir öfter mal gefragt.

00:28:18: Kannst du dir sicher sein, dass du wirklich weiter clean bleibst oder dass sich das nicht auch wieder ändert?

00:28:23: Also da bin ich mir nie sicher, weil ich auch die Erfahrung gemacht habe.

00:28:26: Ich war zum Beispiel in Hagen-Elsayha bzw.

00:28:29: Hagenrohn-Limburg in Entgiftung.

00:28:31: Da haben viele Ex-User als Genesungsbegleiter gearbeitet, die zum Teil schon acht oder zwölf Jahre clean waren.

00:28:37: und als dann zwei Jahre später wieder zu Entgiften gekommen sind, waren sie auf einmal nicht mehr da Und dann hieß es so, der ist wieder rückfällig geworden.

00:28:45: Den haben wir nicht mehr im Team behalten.

00:28:46: also das ist mir immer bewusst und deshalb bin ich auch doppelt froh dass sich diese Stadtrundgänge mache und auch in der Oase ein sechshundert Euro Job bekommen habe im Vertrieb, dass mir das jeden Tag immer bewusst wird wo ich herkomme dass ich das immer im Kopf hab man könnte auch wieder ruckfälliger werden.

00:29:01: Also nur weil man clean ist heißt ja nicht dass man für sein Leben lang jetzt cleans.

00:29:05: die Gefahr ist immer da.

00:29:06: Ich trinke auch gerne mal Bier abends in der Altstadt oder so.

00:29:09: aber wenn ich dann mal zwei drei vier Wochen hinten hintereinander Unterwegs war, dann hinterfrage ich das auch immer.

00:29:14: Ey Mike jetzt war es schon drei viermal.

00:29:17: Ich habe nie was mit Alkohol zu tun gehabt aber zwei vier mal feiern.

00:29:20: Ich mag gern Schlagermusik so outig mich Aber du kannst es jetzt nicht jedes Wochenende machen weil vielleicht läuft's dann wieder in die Sucht rein Weil ich gehe mir davon aus dass ich so ein sucht affiner Mensch bin Nicht einfach nur nach Heroin süchtig wahr oder süchtich Bin Sondern das ist auch jede andere Substanz dieses heroin Jetzt jederzeit ersetzen könnte.

00:29:37: So und ich rufe mir das schon immer alle zwei drei wochen Mal wieder hervor.

00:29:42: Jetzt haben wir über einen ganz großen Zeitraum gesprochen, über deine Jugend ein bisschen Kindheit wie alles so gekommen ist.

00:29:48: Wie würdest du dein Leben heute beschreiben?

00:29:49: Erfüllt!

00:29:50: würde ich sagen erfüllt und glücklich.

00:29:52: Also, ich habe das erste Mal in meinem Leben eine richtige eigene Wohnung.

00:29:55: Die habe ich vorher immer nur mit einer Freundin zusammen gehabt.

00:29:57: Das ist meine erste richtige eigene Wohnung.

00:29:59: Ich hab wirkliche Freunde wo ich auch nachts anrufen kann.

00:30:02: wie kann zum Beispiel um zwei Uhr und sagen kann ich habe mein Haustür Schlüssel verloren?

00:30:05: Kann ich bei dir schlafen?

00:30:07: Das habe ich früher nie gehabt!

00:30:08: Ich stehe morgens auf, ich kann die Sonne genießen... ...ich kann mein Handy rausrennen, Kaffee trinken ein bisschen rumscrollen ohne an Drogen zu denken oder dass sich gleich irgendwelche Straftaten begehen muss.

00:30:18: einfach nur, dass ich mich gesund fühle Erfüllt, also ich fahre erst mal nächste Woche seit zwanzig Jahren in Urlaub mit meiner Freundin zusammen.

00:30:25: Also mir können es grad nicht besser gehen muss ich ehrlich sagen und ich habe aber auch keine größeren Wünsche mehr.

00:30:30: Brauche kein Haus, ich brauche kein Auto, ich hab nie einen Führerschein gehabt aufgrund meines Drogenskonsums.

00:30:35: Ich fühl mich... Wohl, einfach wohl und glücklich.

00:30:38: Vielen Dank Mike für dieses schöne Beschreiben deines Lebens jetzt und überhaupt für die Zeit, die du genommen hast um mit uns zu sprechen.

00:30:45: Alles Gute weiterhin und danke

00:30:47: für deine

00:30:47: Offenheit!

00:30:48: Und euch liebe Zuhörende vielen Dank

00:30:49: fürs Zuhören

00:30:50: bis zum nächsten Mal.

00:30:51: Bis

00:30:51: dahin.

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