Falschbeschuldigung bei sexualisierter Gewalt
Shownotes
Die Frage, ob eine Beschuldigung der Wahrheit entspricht, taucht in kaum einem Deliktsbereich so häufig auf wie im Bereich sexualisierter Gewalt. Über die Gefahren der Berichterstattung tauschen wir uns in dieser Folge ebenso aus wie darüber, welche Risiken mit einer Falschbeschuldigung einhergehen. Auch Motive für eine falsche Anschuldigung beleuchten wir.
Für diese Folge insb. verwendete Quellen:
Odebralski, N. (2024). Besondere Problematik der Sexualstraftaten. In: Aussage gegen Aussage in Sexualstrafverfahren. Springer, Berlin, Heidelberg. https://doi.org/10.1007/978-3-662-70171-3_3
Klimke, D., Blaimberger, A. (2022). Falschbeschuldigungen bei sexuellen Nötigungen. In: Schweer, M.K.W. (eds) Facetten des Vertrauens und Misstrauens. Springer VS, Wiesbaden. https://doi.org/10.1007/978-3-658-29047-4_20
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00:00:09: Herzlich willkommen bei True Criminology, dem Kriminalogie Podcast.
00:00:14: In diesem Podcast widmen wir uns aktuellen kriminologischen Team.
00:00:18: Wer mehr zu Ausmaß Hintergründen und Ursachen von Kriminalität erfahren will, hört gerne noch mal in die Folgen eins bis zweiundfünfzig rein!
00:00:26: Oder schaut mal in unser Buch «True Criminologie – Mythenfakten-Hintergründe» erschienen im Diezverlag?
00:00:32: Ich bin Gina Wollinger, Soziologin & Kriminologin an der Hochschule für Polizei und öffentliche Verwaltung NRW
00:00:39: Und ich bin Nicole Bögelein, Soziologin und Kriminalogin an der Universität zu Köln.
00:00:43: Es gibt ja immer so ein Sommerloch wo bestimmte Themen debattiert werden und in diesem Sommer war eines der Themen ... die Diskussion um Falschbeschuldigungen bei sexualisierter Gewalt.
00:00:56: Das ist ein sehr komplexes Thema, das sehr moralisch aufgeladen ist häufig und wir möchten hier einfach mal die Hintergründe auftröseln und mal schauen was man aus der kriminalologischen Forschung dazu sagen kann.
00:01:06: Normalerweise geht es uns in dem Podcast ja auch immer einmal um statistische Fakten.
00:01:10: wie hoch ist die Quote?
00:01:12: Wie sieht das Dunkelfeld aus
00:01:13: etc.,
00:01:14: dass es hier ein Feld, indem das quasi unmöglich ist?
00:01:18: Es gibt keine zuverlässige Statistik, um das zu beantworten.
00:01:22: Und die Fälle sind total unterschiedlich.
00:01:26: also es kann Thema sein eine Trennung und ein folgender Sorgerechtstreit bezüglich der Kinder.
00:01:33: hier gibt's ne Quote dass man davon ausgeht dass ungefähr zwanzig Prozent der Beschuldigung wegen sexuellem Kindesmissbrauchs in so einem Kontext sich als falsch beschuldigungen erweisen.
00:01:44: Dann, wenn es eher um Erwachsene geht gibt's Schätzungen von Aussagepsychologinnen die die Quote auf dreißig bis vierzig Prozent schätzen.
00:01:52: Polizeistatistiken gehen von einer höheren Quote aus in der Forschung gibt aber auch die Zahl zwei bis fünf Prozent.
00:02:00: also wir sehen hier wirklich ist ein ganz große Diskrepanz und die Zahlen weichen einfach voneinander ab.
00:02:07: Warum ist das so?
00:02:08: Ja, letztendlich kann man das einfach ganz schlecht bestimmen.
00:02:11: Manche machen einen Rückschluss von Verfahrenseinstellungen und Freisprüchen und werden das dann als Falschbeschuldigung.
00:02:17: aber das ist schwierig weil gerade auch in dem Bereich sexualisierte Gewalt Vergewaltigung ist es sehr schwierig ein Verfahren durchzuführen.
00:02:26: oft steht Aussage gegen Aussage.
00:02:28: also dann zu sagen eine Verfahrenseinstellung bedeutet da hat das Opfer gelogen.
00:02:32: dass kann man einfach schlichtso nicht machen.
00:02:35: die Zahl der falsch beschuldigung ist vermutlich wesentlich geringer als die Einstellungen und Freisprüche.
00:02:40: Das Problem hier ist, dass bei einer Anzeige sehr viel auf dem Spiel steht Und wir lassen jetzt ganz bewusst weg was das Delikt an sich verursacht.
00:02:48: Wir haben zu Sexualdelikten eine Folge aufgenommen.
00:02:51: Hört damals rein.
00:02:51: da geht es auch darum wie es eben Geschädigten von sexualisierter Gewalt geht.
00:02:55: Aber zurück zum Thema Anzeigen.
00:02:57: Wenn sich jemand der sexualisierte Gewalt erlebt hat entscheidet das anzuzeigen Dann geht das ein Herr mit einem Schamgefühl, auch mit dem Gefühl ich werde jetzt vielleicht in der Öffentlichkeit wahrgenommen als jemand dem so etwas passiert.
00:03:10: Zum Teil auch mit einer sekundären Victimisierung Dadurch, dass der Freundeskreis der Bekanntenkreis aber eben auch die Polizei und die Staatsanwaltschaft des Gerichts nicht sehr sensibel mit dem Thema umgeht.
00:03:21: Und man sich so eben noch mal als Opfer fühlt.
00:03:24: Und auf der anderen Seite gibt es aber auch die Gefahr bei TäterInnen.
00:03:27: Denn erst Mal ist direkt wenn so ein Vorwurf im Raum steht, ich sag's mal so ließt man manchmal gesellschaftlicher Tod zu befürchten.
00:03:35: also das kommt vielleicht zu einer Echtung zu Problemen im Freundes- und Bekanntenkreis vielleicht auch auf der Arbeitsstelle.
00:03:40: insofern is von beiden Seiten hier wirklich eine sehr große Problematisierung da, also wenn es tatsächlich zu einer Falsch-Beschuldigung käme wäre das dramatisch.
00:03:48: Aber auf der anderen Seite ist ebenso dramatisch, wenn es eine richtige Beschuldigung ist und den Menschen unterstellt wird dass es ne falsche Beschuldigung sei.
00:03:56: vor diesem Hintergrund möchte wir diese Lage mal auftröseln.
00:03:58: Es is wirklich sehr heikel aber wir müssen einfach mal drüber reden.
00:04:01: Warum ist die Lage so schwierig?
00:04:03: Ja, Sexualkriminalität ist ein moralisch sehr aufgeladenes Feld.
00:04:07: Man ist meistens entweder auf der falschen oder richtigen Seite.
00:04:10: Forschende sehen hier verschiedene Einflüsse.
00:04:12: Interessant es hierbei bei der Wandel der Strafkultur in der eher wohlfahrtstaatlich resozialisierenden Kriminalpolitik der Sechziger und Siebziger Jahre hat man so eine sachliche Perspektive eingenommen.
00:04:24: Das heißt, man wollte das so bisschen entemotionalisieren vor allem den Nüchtern halt Sachlichkeit reinbringen um halt auch besser Strafverfolg Unrecht zu sprechen und Strafverfolgung durchzuführen.
00:04:35: Nachteil ist dabei, das Opfer hatte kaum Bedeutung.
00:04:38: man war dann sehr auf den Fall und den Täter, Täterin fokussiert.
00:04:42: Vorteil ist natürlich dass es ja eher zivilisatorischer Standard ist, dass man Sachen nüchtern betrachtet und nicht aus einer Emotion heraus.
00:04:51: Und dann spricht man der Forschung von einer sogenannten victimistischen Trendwende und einer, ich zitiere, effektgebundenen Parteinahme.
00:05:00: Also das ist die Analyse, daß man gegenwärtig in diesem Bereich eher eine vergeltende und auf Sicherheit bedachte Kriminalpolitik fährt.
00:05:08: Ja, scharfe Bestrafungsforderungen eher wieder üblich werden.
00:05:12: Früher hätte man gesagt so eine Forderung ist irgendwie ne Entgleisung.
00:05:15: Man muss das sachlich betrachten.
00:05:16: heute gilt es so als Beistand für das Opfer dass man eben sagt durch diese höhere Forderungen von Strafen unterstützt man auch des Opfer emotional und das Opfern dessen Leid wird mitgesehen und mitgedacht.
00:05:25: Ehrlich gesagt finde ich schon hier die Frage wenn man das so gegenüberstellt ob diese Analyse wirklich so nüchtern und neutral ist oder ob nicht die sogar schon so gesellschaftlichen Stereotypen folgen hat am Anfang irgendwie die Männer stärker in den Fokus gestellt was als sachlich und normal betrachtet wird.
00:05:39: Und jetzt, wenn es darum geht das Opfer des häufiger Frauen?
00:05:43: sind in den Mittelpunkt zu stellen, dann spricht man gleich von der Emotionalisierung.
00:05:46: Das bedient natürlich auch wieder dieses Bild von Frauen als hysterisch und emotional.
00:05:50: Wenn man Frauen also ernst nimmt wird es emotionalisiert.
00:05:53: Es gibt hier wirklich kaum Neutralität in diesem Feld.
00:05:56: Man kann das natürlich aber auch einordnen so in diesen Wandel von Strafkultur wo früher das Opfer generell nicht so eine Rolle gespielt hat Und Opferrechte auch noch nicht so stark waren.
00:06:07: Da gab's ja dann irgendwann einen Punkt dass das mehr kam.
00:06:09: Also das war schon gesehen.
00:06:10: halt ist auch so'n Ungleichgewicht warum das Opfer eher herausgehalten wird, weil man will ja den Täter, Täterin ins Zentrum setzen.
00:06:17: Es soll um Resozialisierung gehen und so weiter.
00:06:19: aber das Opfa hat oft auch gelitten in so einem Prozess Und dann kam mehr und mehr so Opferrecht- und Opfeunterstützung.
00:06:26: Das ist glaube ich eh so ein Spannungsverhältnis wo wir auch heute in vielen Diskussionen sind Gehen diese Opferechte zu weit?
00:06:32: Gehen die zulasten von Straf Politik oder Strafen, Strafverfolgung wo eigentlich ja das Handeln des Täters Täterin im Fokus sein soll.
00:06:41: Also es reiht sich da glaube ich auch so ein bisschen ein.
00:06:43: Genau in diese ganz große straffilosophische Debatte eigentlich dass eigentlich ja Strafe abgetrennt werden sollte von dem Menschen der Rache üben will sondern sagt nächstes Mal jetzt mal neutrale andere.
00:06:52: aber dadurch hat man's eben soweit getrieben dass die geschädigten ganz raus waren und dann irgendwann hat man das korrigiert mit Nebenklage etc.
00:06:58: Jetzt ist die Frage ist das Pendel in die andere Richtung?
00:07:00: Aber wie gesagt gerade in diesem Kontext finde ich kann man hier durchaus auch Stereotypen nochmal erkennen.
00:07:03: Opfer sexualisierten Gewalt ist es auch noch mal ganz interessant, sich anzuschauen wie die Schuldzuschreibung war bis in den neunzehntnachsiebziger Jahren.
00:07:10: Erstens hat man anerkannt dass Frauen und Kinder vor allem gefährdet sind opfersexualisierte gewalt zu werden.
00:07:16: Und bei der schuldzuschreibung war's da eigentlich üblich so eine mischkonstellation vorzunehmen immer schwanger auch mit der verdacht das ja irgendwie beide seiten Sich gegenüber der so nannte man das damals sittlichen ordnung versündigt haben.
00:07:29: Es gab immer so eine unterstellung des frauen und kindern die männliche lust herausforder oder zumindest in Kauf nehmen, dass die irgendwie herausgefordert werden.
00:07:37: Hier ist auch der Ursprung für Vergewaltigungsmythen weil man einen Teil der Verantwortung für Victimisierung dann eben auch den Geschädigten selbst aufgebürdet hatte.
00:07:45: Diese Fragen, wo hielt sich die Person auf?
00:07:47: Was war die Kleidung etc.
00:07:49: Und auf der Täterseite – ich spreche jetzt hier bewusst nur von Männern, weil das wirklich diese Zweischneidigkeit in diesem Denken war – war eben zu sagen ja, die Schuld von dem muss man auch ein bisschen mindern und es ist irgendwie wie so ein Dampfkessel.
00:08:00: Die Männer verlieren bei sexuellen Reizen eben leicht die Selbstkontrolle, diese Idee des Triebtäters, der Mann als Opfer seiner Triebe und eben auch der weiblichen Provokation oder davon sprach man damals der kindlichen Frühreife.
00:08:13: Und weibliche und kindliche Opfer hatten dann auch die Rolle nicht der Opfer oder Geschädigten sondern der Geschändeten.
00:08:20: da war so ein bisschen im also wirklich auch noch so ganz Kommt für uns, finde ich ganz komisch rüber.
00:08:25: Aber dieser Begriff Kinderschänder oder unsichtliche Berührung kommt auch aus diesem Denken und diese Begriffe da steht nicht im Vordergrund das Leid sondern der Erverlust.
00:08:33: Und das ist wirklich eine ganz andere Denke in Bezug auf Sexualstrafrecht.
00:08:37: Das ändert sich dann auch gerade so im Zuge der Befreiung sexual-moralischer Fesseln wo es viele Diskurse gab.
00:08:49: gegen die Sittlichkeit geändert, umbenannt zu gegen die sexuelle Selbstbestimmung.
00:08:53: Also da sieht man das auch noch mal im wording im Strafgesetz.
00:08:56: Letztendlich gibt es aber eine verzögerte Einstellungsveränderung in der Bevölkerung.
00:09:00: also bis das wirklich auch der Grundgedanke bei der Bevölkerungen so fußfast dauert ist ein bisschen länger.
00:09:05: Sittigkeit bedeutete vollwertiges Mitglied der Gesellschaft zu sein und das konnte man nur sein wer sich an bestimmte Sexualnormen hält und auch halten wollte.
00:09:17: Es gab etliche Sittlichkeitsvergehen, die dazu führten, dass man bürgerliche Ehrenrechte aberkannt bekommt.
00:09:24: Wer durch produktive Sexualität einen Beitrag zum Bevölkerungswachstum leistete, hat damit etwas für das Gemeinwesen geleistet.
00:09:33: Die alte Einstellung Gefährdung des Volkes durch sexuelle Unmoral ändert sich.
00:09:38: das Geferdung von Individuen durch Autonomieverlust.
00:09:44: liegt frei über die eigene Sexualität zu bestimmen.
00:09:48: Es kam also zur einer Trennung von Moral- und Sexualstrafrecht.
00:09:51: Das hat auch was Zweischneidiges.
00:09:53: Einmal Liberalisierung, die andere Seite aber auch die Grundlage für Skandalisierung sexueller Übergriffigkeiten.
00:10:00: Seit den Ninzehnhundert neunziger Jahren kam dann die Kritik auf dass sie Liberalisierung zu weit gehe das einseitig Interessen von Männern hiermit bedient werden und dass das Opfer in seiner Situation vernachlässigt wird.
00:10:13: Was noch ein ganz wichtiger Ausdruck ist an diesem Zusammenhang ist, dass man sexualisierte Gewalt häufig auch als sogenanntes Signal Crime versch... Und in diesem Zusammenhang geht es um die Betrachtung, dass Kriminalität eine soziale Konstruktion ist.
00:10:27: Die sich ergibt aus einer spezifischen Risikovahrnehmung und der Definition von Bedrohungen.
00:10:33: Dann ist Signalkriminalität etwas was im Fokus von medialer Berichterstattung auf Kriminalfälle entsteht.
00:10:40: Daraus leitet man wieder ab, dass die moderne Gesellschaft durchaus auch anfällig ist für Moralpaniken.
00:10:46: Also bei manchen Delikten sehr schnell weiß was richtig ist und was falsch ist und sehr schnell schuldige ausmacht.
00:10:51: Diese Signalkriminalität führt zu Typisierungen von in Anführungszeichen gefährlichen Menschengruppen, gefährlichen Situationen und eben auch gefährdeten Personen.
00:11:01: Und in diesem Zusammenhang werden dann gesellschaftliche Konflikte ausgetragen.
00:11:05: Und wenn wir da heute dran denken, wie gerade von der Seite der extremen Rechten auch von Seiten der AfD immer wieder solche Anfragen zum Thema Massenvergewaltigung eingebracht werden.
00:11:14: Wir haben dazu eine Folge gemacht.
00:11:16: und eben dieser Gedanke des fremden Täters das Migranten, der kommt und Frauen.
00:11:20: Das ist dann die Idee unsere Frauen vergewaltigt?
00:11:23: Dann ist es hier schon ganz deutlich was hier noch mal eine zusätzliche Lage sozusagen ist warum Sexualkriminalität so moral aufgeladen ist.
00:11:32: Nein heißt nein, dieses Schlagwort kennen wir gerade im Zusammenhang auch der jüngsten Änderung im Sexualstrafrecht.
00:11:40: Das macht es für die Gesellschaft irgendwie auch klarer.
00:11:43: da gab's ja wirklich viele ungerechte Situationen.
00:11:46: wann das irgendwie keine Vergewaltigung sein soll.
00:11:49: Nein heißt Nein ist dann irgendwie klar.
00:11:50: wenn das Opfer den Betroffene sagt Nein ist da keine Grundlage gegeben.
00:11:55: Rechtlich ist das aber gar nicht so unbedingt leichter dadurch, weil diese alte eher ungerechte Situation war rechtlich leichter zu definieren, ob die Situation im Sinne des Strafgesetzbuches so oder so vorlag.
00:12:09: Mit diesem Nein heißt nein muss man jetzt erst mal rausfinden.
00:12:12: okay wurde ein Nein artikuliert in welcher Form?
00:12:15: also?
00:12:16: es macht es auch ein bisschen schwieriger die Situation abzugrenzen
00:12:20: und diese Unschärfe wirkt sich jetzt in beide Richtungen aus.
00:12:23: Wir haben weiterhin eine ganz starke Untererfassung von sexueller Gewalt.
00:12:33: bei sexualisierter Gewalt je nach Form zwischen zwei bis maximal neun Prozent überhaupt nur angezeigt werden.
00:12:41: Also die allermeisten Delikte werden nicht angezeigt, es gilt weiterhin hin dass Menschen sich schämen.
00:12:47: das müssten sie nicht, das sollten Sie nicht.
00:12:49: aber das Gefühl ist da.
00:12:50: Das liegt auch daran dass die Menschen Angst haben weil sie vielleicht wenns Beziehungsdelikt war eben immer noch in dieser gewaltvollen Beziehung sind und da auch keine Möglichkeit haben, rauszukommen.
00:13:00: Vielleicht haben sie auch alternative Konfliktlösungsmöglichkeiten gefunden oder sie fangen dann an die Dinge um zu definieren sind vielleicht auch schon gewöhnt dass solche Dinge passieren weil es möglicherweise in der länger andauenden Beziehung immer wieder dazu kommt und dann definiert man das für sich um und sagt Das ist nicht so gravisierend!
00:13:16: Das ist überhaupt keine Gewalt.
00:13:17: und dadurch bleiben Dinge im Dunkelfeld die durchaus strafrechtlich relevant wäre.
00:13:21: Und zugleich und das eben die andere Seite sagt Die Forschung gibt's eine Übererfassung eine strafrechtliche Überdehnung gibt in ne andere Richtung.
00:13:31: Sachverhalte können jetzt erst mal behauptet werden, dass es ne Folge dieser Nein-Heißt-Nein-Regelungen ohne so sichtbare Konsequenzen geben muss.
00:13:39: und im Rahmen dieses Zwiespals bewegt sich diese ganze Debatte.
00:13:45: Also auf der einen Seite ermöglicht dieses Nein heißt nein, es auch leichter eine Falschbehauptung aufzustellen.
00:13:50: Aber trotzdem ist es natürlich eine Behauptung zu sagen das machen jetzt auch mehr Leute.
00:13:53: da steckt immer auch dieses Misstrauen gegenüber Geschädigten drin.
00:13:57: naja Da will man sich wichtig machen, da will man jetzt irgendetwas aufbauschen was vielleicht gar nicht gegeben hat.
00:14:02: Gucken wir uns das trotzdem mal an.
00:14:03: Was könnte es für Gründe geben?
00:14:05: Für eine bewusst oder unbewusste falsch beschuldigung?
00:14:07: Das könnte gezielt aus Rache begangen werden Oder auch nach einer Trennung im Kampf um das Sorgerecht für die gemeinsamen Kinder.
00:14:14: Es könnte auch auf grundziehlose Anschuldigung zur Erreichung von Aufmerksamkeit erfolgen, sich da in den Mittelpunkt zu spielen.
00:14:21: Psychische Erkrankungen, insbesondere die Borderline-Störung könnten hier auch eine Rolle spielen.
00:14:26: Sexualpartner sind sich nicht einig was gewollt oder eben nicht gewollт
00:14:30: war.".
00:14:30: Und warum diskutieren wir jetzt hier häufiger als bei anderen Delikten?
00:14:33: Darüber gibt's ne Falschbeschuldigung oder nicht?
00:14:35: Du hast immer dieses Beispiel so schön, Gina!
00:14:37: Beim Eigentumsdelikt fragt dich keiner ja bist du sicher dass ihr dein Geldbeutel verloren hast, haste ihn vielleicht doch verlegt oder dem freiwillig gegeben?
00:14:43: oder was ist da eigentlich, aber in diesem Kontext hat man immer so einen Impuls mal zu fragen.
00:14:48: Die Sachverhalte sind eben schwer eindeutig feststellbar.
00:14:51: Es ist diese Aussage gegen Aussagegeschichte, es war niemand dabei.
00:14:54: Eindeutigt wäre, wenn's wirklich ein überfallartiger Fremdtäter wäre und man Spuren von Gewalt- und Gewaltabwehr aufweisen würde am Körper der geschädigten Person.
00:15:03: aber so is' es häufig nicht.
00:15:04: die Mehrzahl von sexuellen Gewaltfällen passieren in intimen Beziehungen.
00:15:08: da ist keine massive körperliche Gewalt nötig Und auch das Spermerspuren gefunden werden ist erst mal keinen Beweis dafür dass der Geschlechtsverkehr auch erzwungen war.
00:15:16: insgesamt für ringert die Vorbeziehung zum Täter.
00:15:19: dann auch noch mal die Mitwirkungsbereitschaft von Opfern und dadurch Endenverfahren auch vorzeitig.
00:15:23: Das wäre jetzt eben der Trugschloss, wenn man sagt Aha Einstellung deshalb falsch beschuldigung?
00:15:27: Nee das kann einfach daran liegen dass die Menschen weiterhin in einer problematischen Beziehung sind und sagen ne mache ich da nicht.
00:15:33: Ein Anteil widerruft auch die Aussage.
00:15:35: eine Bremer Studie hat ergeben das bei zwanzig Prozent der Fälle die Opferzeuge in die Aussage widerrufen hat, woraufhin das Verfahren eingestellt wurde.
00:15:43: Gründe dafür waren wieder Vertragen anderweitig sich Hilfe geholt oder vielleicht aber auch die Gewaltdynamik dass ja es einfach weiter zu Gewalt kamen, dass so ein fortsätzliches Verfahrens einfach nicht eine Möglichkeit war.
00:15:56: also man kann auch aus diesen zwanzig Prozent jetzt nicht schließen da kam es gar nicht zu diesem Delikt.
00:16:01: sondern auch das können sehr unterschiedliche Gründe sein warum einen Opfer die Aussagen wieder ruft.
00:16:05: Es ist zwar ein Offizialdelikt das bedeutet wenn der Staat, also die Polizei, Kenntnis erlangt.
00:16:11: Dann muss sie
00:16:12: ermitteln.".
00:16:13: Aber die Studie sieht die Einstellung als Beleg für Zweifel am Wahrheitsgehalte angezeigten Tat.
00:16:19: Also dann kann Polizei auch begründen aber wahrscheinlich ist da gar nichts dran.
00:16:23: Also besteht gar kein Anfangsverdacht und dann müssen wir ja auch nicht ermittelen.
00:16:27: Daneben kann auch der Grund darin liegen, dass man denkt das macht jetzt überhaupt keinen Sinn in die Strafverfolgung.
00:16:33: Weil man bräuchte die Aussagebereitschaft der Opferzeugen oder des Opferzeugen.
00:16:37: wenn die nicht gegeben ist dann lohnt es auch nicht hier Anklage zu
00:16:40: erheben.".
00:16:41: Dann
00:16:41: kommen wir jetzt langsam zum Schluss und stellen einmal die Frage Ist es sinnvoll über solche Fälle überhaupt zu informieren?
00:16:48: Also unser Anlass war ja, dass in den Medien eben eine Debatte über Falschbeschuldigungen war aufgrund eines oder zwei Fälle, die da öffentlich wurden.
00:16:55: Oder haben dadurch tatsächlich betroffene Frauen vielleicht auch mehr Angst anzuzeigen, weil sie glauben, dass man ihnen nicht glaubt.
00:17:01: Übrigens auch Männer, also ich meine jetzt geschädigte Menschen durch sexualisierte Gewalt.
00:17:05: Und was man hier auf jeden Fall sagen muss ist dass die Berichterstattung heikel ist und wirklich sehr ausgewogen geschehen muss.
00:17:11: Denn was die Dunkelfeldstudien uns zeigen ist das tatsächlich Menschen die sexualisierten Gewalt erfahren haben oft alleine bleiben und das nicht anzeigen.
00:17:20: Wir haben die Zahlen schon gesagt Die aller wenigsten Menschen gehen wirklich zur Polizei.
00:17:23: Das hat damit zu tun Dass die Täter innen oft bekannte oder verwandte sind.
00:17:26: Also es macht Verhältnis gibt dass man Scham spürt Oder eben auch mir wird ja eh nicht geglaubt.
00:17:32: Ich hab keinen Vertrauen, dass ich da zur Polizei gehe und dann weiter in der Justiz damit komme weil in der Gesellschaft verbreitet ist das ich vielleicht lüge, dass es eine Falschbeschuldigung sein könnte und jeder auch diese Vergewaltigungsmythen die wir gerade schon mal angesprochen haben im Kopf hat und man die Sorge hat, dass einem implizit unterstellt wird, dass man ne Mitschuld an der Sache hatte vor allem wenn das Delikt aus nem Rahmen fällt wo es eben im Dunklen Park ein unbekannter Täter oder Täterin war angetan hat.
00:18:00: Genauso wichtig wie es ist, Menschen davor zu schützen dass sie fälschlich einer Straftat bezichtigt werden, ist es wichtig die Menschen die Anzeige wegen sexualisierter Gewalt erstatten ernstzunehmen und nicht von vornherein zu unterstellen.
00:18:13: sie trügen falsche Beschuldigungen vor.
00:18:15: Schließlich tun wir das in anderen Fällen ja auch nicht.
00:18:17: also eine falsch Behauptung gibt es einfach in allen möglichen Straftats Bereichen.
00:18:22: warum diskutieren wir es aber nur im Bereich der sexualisierten Gewalt?
00:18:26: Und damit sind hier am Ende der heutigen Folge.
00:18:29: Zusammenfassend lässt sich sagen, das Thema sexualisierte Gewalt ist eine hochemotionale und von vielen Seiten auch als Arena für das Austragen anderer gesellschaftlicher Kämpfe genutster Bereich.
00:18:38: Es gibt keine verlässlichen Zahlen dazu wie oft es zu einer Falschbeschuldigung kommt – verwunderlich ist aber dass wir jetzt immer hier hinter Fragen oder bei anderen Delikten nicht!
00:18:46: Insgesamt verbleiben die allermeisten Delikte sexualisierter Gewalt im Dunkelfeld und Menschen scheuen sich bis heute davor zurück, sich der Polizei zu offenbaren.
00:18:54: Vielen Dank fürs Zuhören, bis zum nächsten
00:18:56: Mal.
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