Littering – Vermüllung im öffentlichen Raum

Shownotes

Müll am Straßenrand und im Park ist ein Ärgernis. Schön, findet das eigentlich niemand. Wie kommt es dennoch dazu? Das Phänomen birgt so einige grundlegendes Erkenntnisse zu einfachen Formen abweichenden Verhaltens.

Quellen: Berger et al. (2008). Handbuch Littering. Secon GmBh.; Bundesumweltamt. (2020). (Hrsg.) Status Quo, Handlungspotentiale, Instrumente und Maßnahmen zur Reduzierung des Litterings. Abschlussbericht. http://www.umweltbundesamt.de/publikationen; Verband kommunaler Unternehmen e.V. (2018). Wahrnehmung von Sauberkeit und Ursachen von Littering. VKU Verlag GmbH.

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00:00:00: Herzlich willkommen bei True Criminology, dem Kriminologie-Podcast.

00:00:04: In diesem Podcast widmen wir uns aktuellen kriminalogischen Themen.

00:00:07: Wer mehr zu Ausmaß-, Hintergründen und Ursachen von Kriminalität erfahren will, hört gerne noch mal die Folgen eins bis fünfzig rein oder schaut gern mal in unser Buch «True Criminologi – Mythenfakten, Hintergründe» erschienen im Diezverlag!

00:00:20: Ich bin Nicole Bögelein Soziologin & Kriminologin an der Universität zu Köln

00:00:24: Und ich bin Gina Wollinger, Soziologin und Krimnologin an der Hochschule für Polizei- und öffentliche Verwaltung NRW.

00:00:31: Heute beschäftigen wir uns mit Müll – littering ist das Stichwort oder Littern, Vermüllung!

00:00:37: Was ist damit gemeint?

00:00:39: Man könnte jetzt vielleicht bei Vermüllungen oder illegaler Müllentsorgung schnell an so große Skandale denken, wo ein Chemiekonzern irgendwas ins Wasser geleitet hat….

00:00:49: Das ist aber gar nicht so sehr gemeint.

00:00:51: Das Umweltbundesamt definiert es so, Littering das vorsätzliche oder fahrlässige Einbringen von Abfällen im Sinne des § III Absatz I Kreislaufwirtschaftsgesetz im öffentlichen Raum.

00:01:02: Das meint Littern und der Liter sozusagen bezeichnet den durch littering entstandenen Abfall.

00:01:09: Ich finde ein ganz gutes Wort dafür auch noch eben diesen Unterwegsabfall.

00:01:13: Das beschreibt ganz gut, glaube ich kann sich jeder was vorstellen man ist unterwegs kauft sich mal schnell beim Bäcker.

00:01:17: was hat dann die Tüte übrig?

00:01:18: oder den Kaffee to go Becher oder die Pizzaschachtel?

00:01:21: Ja alles was wir im Alltag auch so sehen im öffentlichen Raum denn genau darum geht es.

00:01:25: also der Müll der auf der Straße liegt der im Park ist aber auch etwas wie so unangemeldeter Sperrmüll.

00:01:32: also wenn Leute einfach was vor das Haus stellen da liegt dann da eine Matratze und Fernseher oder aber auch ein Problem bei Altglaskontainern oder Kleiderspende-Container, dass daneben was abgelegt wird.

00:01:46: Das ist das, worum es heute geht und nicht unbedingt eine Straftat.

00:01:50: Da sind wir eher im Bereich der Ordnungswidrigkeiten.

00:01:53: Straftaten wäre es nur, wenn es giftige Stoffe sind, die man in die Natur einbringt.

00:02:00: Jetzt könnte man sich ja fragen, wir sind hier bei True Criminology.

00:02:03: Was hatten das mit Kriminalität zu tun?

00:02:06: Gehen denen die Themen so komplett aus, dass sie sich jetzt mit Vermüllung beschäftigen und bald reden wir auch über Falschparken oder so ... Aber halt nicht wegschalten, denn eigentlich ist das Thema doch ganz interessant.

00:02:19: Es enthält nämlich ganz viele ja auch grundlegende Aspekte über abweichendes Verhalten und es ist immer auch wieder Thema ganz aktuell beispielsweise in Gelsenkirchen und Essen.

00:02:29: seit Juli zwanzig sechsundzwanzig nutzt die Stadt Gelsenkirchen tatsächlich Videoüberwachung gegen Müll.

00:02:35: Das ist so ein mobiler, sechs Meter hoher und rund eine halbe Tonne schwerer Überwachungsturm.

00:02:41: Das hat vierzigtausend Euro gekostet.

00:02:43: also es ist der Stadt richtig was wert gegen Müll anzugehen und die Stadt Essen überlegt auch ob jetzt Videoüberwachung da die Lösung ist?

00:02:51: Über Videobewachung haben wir auch schon mal eine Folge gemacht hört er gerne noch mal rein.

00:02:55: aber das finde ich ist schon mal so.

00:02:57: ein guter Hinweis dass wir hier auch so Überschneidungen haben zu generell kriminalpolitischen Entscheidungsmustern.

00:03:03: Genau, übrigens finde ich es gar nicht so abwegig auch mal was Falschparken zu reden über die unterschiedlichen Strafarten dabei

00:03:08: etc.,

00:03:09: aber das jetzt nur am Rande.

00:03:11: Was ist jetzt das Problem bei diesem Unterwegsabfall?

00:03:14: Bei dem sogenannten Littering?

00:03:15: Es gibt eine Studie im Auftrag des Bundesumweltamtes Die ist jetzt schon ein paar Jahre alt Aber trotzdem...die Ergebnisse sind noch interessant und relevant.

00:03:26: Die ergibt dass es eine Zunahme der Vermüllung gibt Und ungefähr zehn bis fünfundzwanzig Prozent der Straßenreinigung beschäftigt sich wirklich damit, diese Vermüllung zu beseitigen.

00:03:38: Kennt man ja vielleicht wenn man so ein bisschen durch Parks geht?

00:03:40: Man sieht doch auf dieser überquellenden Mülltonnen und ist nicht immer alles direkt neben der Mülltone.

00:03:45: manchmal liegt auch noch was auf der Wiese etc.. Die am häufigsten gelitterten Abfallarten sind Kunststoff- und Verbundenmaterialien, Kunststoffabfälle aber eben auch Sperrmüll.

00:03:56: Und die Gegenstände, die am häufigsten einfach so weggeworfen werden sind Zigaretten.

00:04:01: Einweg Getränkebächer, Kaugummies oder auch Einwegverpackungen.

00:04:05: Das hat natürlich auch Folgen.

00:04:06: Die Kosten für die Entfernung sind durchaus relevant wenn sich die Stadtreinigung damit vermehrt beschäftigen muss.

00:04:13: Außerdem ist das Ganze nicht schön In der Soziologie sprechen wir immer wieder von diesen Disorder-Phenomenen, also Phänomenen von Unordnung.

00:04:20: Und das hat so einen Bezug zum Angstraum weil man auch die Frage hat wenn hier das passieren kann?

00:04:25: Wenn hier das Zeug so rumliegt wer achtet eigentlich auf diesem Raum und wäre ich hier beschützt wenn mir was passieren würde?

00:04:30: Auch für die Umwelt ist es natürlich nicht gut weil zum Teil sind dann eben trotzdem Schadstoffe drin oder Tiere essen das oder wie auch immer

00:04:37: Gerade im Bezug auf Zigaretten, das ist vielen gar nicht so bewusst.

00:04:40: Da haben wir ein geringes Problembewusstsein, eine Zigarette wegzuschmeißen.

00:04:44: Das Umweltbundesamt schätzt, dass jährlich Hundertsechs Milliarden Zigaretts geraucht werden in Deutschland und zwei Drittel aller gerauchten Zigarette auf dem Boden liegen.

00:04:56: Weltweit gehen sie davon aus, dass vier Komma fünf Billionen Zigarettes kippen pro Jahr in die Umwelt gelangen.

00:05:02: Ich weiß jetzt nicht genau wie man das schätzte ich kann mir auch dieses Ausmaß nicht vorstellen.

00:05:06: Wir können festhalten, sehr viele Zigaretten werden auf dem Boden entfernt.

00:05:11: Das ist ein Problem, denn allein eine Zigaretenkippe verunreinigt tausend Liter Wasser vor allem durch das Nikotin.

00:05:18: Es ist ja ein Nervengift und insgesamt sind in einer Zigarette siebentausend verschiedene Schadstoffe drin.

00:05:24: also da ist ganz viel was da in die Umwelt gelangt Und auch der Filter an sich ist aus Kunststoff.

00:05:31: Also auch da haben wir wieder das Problem dass zerbröselt Da kommen dann so kleine Kunststoffe Stoffteilchen in die Umwelt.

00:05:38: Das hat richtig viel Ausmaß, auch wenn das nur so ein kleiner Zigarettenstummel

00:05:42: ist.".

00:05:43: Warum sprechen wir da jetzt drüber?

00:05:45: Die Studie ist schon paar Jahre alt.

00:05:47: Zum einen eben dieser Ansatzpunkt dass Gelsenkirchen da aktuell diese Überwachung macht aber zum anderen auch weil sich das Problem immer stärker auftut also tatsächlich im Moment darüber gesprochen wird, dass das zunimmt.

00:06:01: Die Hintergründe dafür sind So ist, dass wir alle draußen sind und unterwegs sind.

00:06:07: Und eben auch unterwegs Dinge konsumieren.

00:06:09: Wir trinken was?

00:06:10: Wir holen uns ein Kaffee, wir holen unseren Getränk in einer Einwegflasche.

00:06:14: Wir essen was... Ich muss da gerade dran denken, Pizza-Kartons.

00:06:17: Das war ja grade im Zuge der Pandemie und im Zugedessen, weil diese Pizzakartons in keinen Mülleimer passen stehen jetzt auch in vielen Regionen extraquadratische Mülleimmer rum, dass man die Pizza- Kartons wegmachen kann.

00:06:28: An solchen Dingen, wenn die Stadt schon reagiert, merkt man, das ist was, was häufiger auftritt.

00:06:35: Das liegt auch daran, dass unsere Lebensweise sich so ein bisschen verändert.

00:06:39: Das draußen wird ja häufig als zweites Wohnzimmer gesehen.

00:06:42: man spricht ja teilweise auch ich zitiere jetzt hier mal von der Mediterranisierung des öffentlichen Raum.

00:06:47: dann gibt es auch einfach eine Menge an Gratiszeitungen und Flyern je nachdem wo man so lebt.

00:06:52: Man sieht ja manchmal das so ganze Pakete da doch irgendwo abgelegt werden weil vielleicht auch die Austrägerinnen gar nicht die Zeit und die Lust haben die alle zu verteilen.

00:06:58: oder wie auch immer.

00:06:59: also insgesamt ist der Grund für die Zunahme von Littering tatsächlich einen Sichwand des Konsum- und Freizeitverhalten.

00:07:06: Und wer macht das?

00:07:07: Wer ist dafür verantwortlich?

00:07:09: letztendlich dieses Littern, dass findet in allen Altersgruppen statt.

00:07:13: Das kann man gar nicht jetzt so auf eine ganz bestimmte Bevölkerungsgruppe reduzieren.

00:07:17: Dennoch sieht man, es sind eher junge Menschen.

00:07:20: Das hängt aber vor allem davon ab, wer den öffentlichen Raum wie bedurzt.

00:07:24: und die Menschen, die halt öfter im öffentlichen Raum, denen nicht nur passieren um irgendwo einzukaufen sondern auch irgendwo ich sag jetzt mal rumhängen oder sich aufhalten, sich hinsetzen und halt auch unterwegs Produkte konsumieren das sind halt eher junge menschen.

00:07:37: und damit hat das auch zu tun dass auch eher junge Menschen hier littern.

00:07:42: Wenn man jetzt noch mal auf den Bereich Sperrmüll zurückgeht, da hat man vielleicht unbewusst direkt im Kopf ach das passiert eher an wie man es immer so nennt in Anführungszeichen sozial schwachen also man meint einfach ärmeren Stadtteilen und dann schafft man da vielleicht gleich eine Verbindung und sagt AHA!

00:07:56: Menschen die weniger Geld haben kümmern sich weniger um ihren Raum die vermüllen er aber des Gegenteils ist der Fall denn tatsächlich ist der Zusammenhang hier wohl so eben auch weniger Raum zu Hause haben.

00:08:09: Also das heißt zum einen, wenn jemand mit einer großen Wohnung unten im Keller sich ein neues Sofa anschafft dann stellt man es halt in den Keller kümmert sich jetzt erstmal nicht drum und macht das irgendwann mal.

00:08:17: aber wenn man diesen großen Raum nicht hat dann muss man das eben vielleicht raus vor die Tür stellen und zugleich hat man vielleicht auch nicht eine Auto zur Verfügung weil man nicht das Geld für ein Auto hat müsste sie als ein Mietwagen besorgen hat dafür aber auch das Geld nicht.

00:08:27: also auch in diesem Littering ist durchaus das Thema soziale Ungleichheit ganz präsent.

00:08:31: ja

00:08:32: auch wenn wir uns überlegen wer nutzt den öffentlichen Raum wie Jugendliche die im Banken Verhältnissen wohnen, die brauchen natürlich ganz anders in öffentlichem Raum als Jugendliche, die über ein eigenes Zimmer verfügen.

00:08:42: Also auch so etwas kommt da zum Ausdruck verschiedene Nutzungsinteressen und das weist auch schon auf etwas hin nämlich es ist jetzt nicht eine Frage der Werte.

00:08:50: also es liegt jetzt nicht daran dass bestimmten Leute einfach den Wert nicht haben, dass ein gepflegtes Umfeld irgendwie schön ist oder so.

00:08:57: eigentlich wollen alle eine saubere Umgebung.

00:08:59: Es gibt auch Befragungen die das auch zeigen, dass alle das nicht schön finden.

00:09:03: Das ist nicht eine Frage unterschiedlicher Werte.

00:09:07: Und jetzt kann man sich ja fragen, wie kommt es dann doch dazu?

00:09:09: Und das ist so ein ganz grundlegendes Problem was oft in Debatten finde ich gar nicht so bewusst sind weil diese Wertfrage schnippen wird immer sehr oft in den Raum gestellt.

00:09:18: Unser Verhalten ist nicht immer durch unsere Einstellung und Werte bestimmt.

00:09:23: also Einstellungen, Werte und Verhalten klaffen sehr oft eigentlich auch auseinander und das fühlt sich auch nicht schön an.

00:09:29: Ich glaube jeder kennt da auch Beispiele Rauchen zum Beispiel, wenn man raucht.

00:09:34: Man weiß es ist nicht gesund das macht überhaupt gar keinen Sinn und viele andere Sachen.

00:09:38: Man fliegt in Urlaub obwohl man eigentlich die Lebensgrundlage unserer Umwelt erhalten möchte.

00:09:43: also wir handeln ganz oft so wie's eigentlich nicht unseren Einstellungen entspricht.

00:09:48: Das ist kein Literphänomen sondern das finden wir grundlegend in ganz vielen Bereichen Und das löst auch so etwas wie kognitive Dessonanz aus.

00:09:56: Das fühlt sich nicht so gut an und da haben wir unsere Strategien, wie wir das lösen, indem wir nicht unbedingt unser Verhalten ändern sondern einfach das ein bisschen schön reden relativieren.

00:10:04: Warum soll ich was für die Umwelt tun wenn China nichts tut?

00:10:07: Es gibt sehr viele Strategien das zu reduzieren also... Es ist nicht unbedingt eine Frage vom Wert.

00:10:14: Man muss schon sagen, in der konkreten Situation kommt es auch darauf an wie stark der Wert präsent ist.

00:10:21: Es mir besonders wichtig ist, wenn ich mich viel damit beschäftige oder davon auszugehen, dass der Wert mehr Einfluss nimmt auf das Handeln ... Aber die Frage ist auch auf der anderen Seite immer, wie hoch sind eigentlich die Kosten für den Wert einzustehen.

00:10:34: Also es ist sehr aufwendig jetzt dem Müll irgendwo mit hinzunehmen.

00:10:37: da is nirgendwo ein Mühleimer.

00:10:39: das sind dann auch wieder Sachen, die dann doch eher dazu führen können dass der Wert sich nicht so durchsetzt.

00:10:46: oder auch die Anonymität.

00:10:48: man denke mal an so große Festivitäten, Karneval.

00:10:52: Die ganze Straße ist voll jeder schmeißt da etwas runter Da würde man auch gar nicht drauf angesprochen werden.

00:10:58: Verhalten anderer natürlich auch ganz maßgeblich.

00:11:00: Ich sehe überall werfen die Leute ihre Kippe auf dem Boden.

00:11:03: Warum soll ich jetzt die einzige Person sein, die es anders macht?

00:11:06: Also auch all das spielt bei dem Verhalten mit rein.

00:11:10: Was du zuletzt sagst, das ist ja im Prinzip diese Broken Windows Theorie eins zu eins.

00:11:14: Also wenn ein Fenster kaputt ist muss man es reparieren sonst könnte es dazu führen dass mehr Fenster Kaputt gemacht werden.

00:11:21: und wenn da schon Müll liegt dann überlege ich eben naja gut ist ja egal liegt ja eh schon was, kann ich meinst auch hinschmeißen.

00:11:27: So

00:11:27: Brocken-Windows haben wir auch schon mal eine Folge gemacht.

00:11:29: das ist auch eine Theorie die in der Kriminalologie sehr kritisch gesehen wird als Erklärung für Kriminalität.

00:11:35: aber für diese einfachen Form abweichenden Verhaltens im Sinne von Müll gibt es tatsächlich auch so Experimente die diesen Effekt zeigen.

00:11:41: Wir verhalten uns in einer sauberen Umgebung anders sind eher bemüht das aufrecht zu erhalten.

00:11:47: Ich gebe immer gerne das Beispiel ans eigene Zuhause.

00:11:49: wenn man dann mal den Schreibtisch komplett aufgeräumt hat und staub gewischt hat usw.

00:11:53: versucht man vielleicht auch diesen Zustand eine gewisse Zeit jedenfalls beizubehalten.

00:11:57: und wenn eh schon alles runtergekommen ist oder zugestellt ist, hat man vielleicht auch nicht so die Muße jetzt die Kaffeetasse gleich wegzutragen.

00:12:05: Also das kann man auch im Kleinen durchaus mal beobachten.

00:12:08: Die Sachen, die weggeworfen werden sind natürlich bestimmte Dinge also es sind eher kleinere Dinge.

00:12:13: bei Zigaretten und Kaugummi haben die meisten auch kein Problembewusstsein Und Dinge, die einen Wert haben – da sind wir noch mal bei Wert.

00:12:20: Jetzt geht es aber um Geld.

00:12:21: Die werden in der Regel nicht zurückgelassen.

00:12:24: Also deshalb funktioniert zum Beispiel Pfand.

00:12:26: Da nehmen Leute die Pfandflaschen doch wieder mit, obwohl es nur fünfzehn oder fünfundzwanzig Cent sind, aber irgendwie macht man das und hat sich auch so eine Kultur etabliert.

00:12:33: Pfand gehört daneben, dass man's dann zumindest zur Mülleimer trägt und dann weiß, dass Menschen die Pfands sammeln, das mitnehmen würden.

00:12:42: Außerdem gibt es eine ganz interessante emotionale Komponente, also Orte zu denen man eine Verbindung hat.

00:12:48: Die verschmutzt man in der Regel nicht.

00:12:51: Das gilt nicht für die Zimmer von Teenagern aber das gilt für Orte, die einem wichtig sind draußen.

00:13:00: Dann ist das Littering ein allgemein gutes Problem.

00:13:04: In der Soziologie sprechen wir mal vom Almende-Dilemma.

00:13:07: Die Nachteile trägt eben nicht die einzelne Person, sondern die Gemeinde.

00:13:11: Also die muss das Ganze bezahlen weil die Kosten für die Reinigung steigen.

00:13:16: Das bezahlen letztlich ja dann auch alle.

00:13:18: aber das kann man so ganz gut ausblenden.

00:13:20: Den Vorteil aber hat der oder die Einzelne ist nämlich schnell einfach die Sorge mit dem Müll los und kann weitergehen.

00:13:26: Der Schaden verteilt sich aber eben auf alle.

00:13:29: Und davon abgesehen kann es noch eine Besonderheit geben, wenn man sich jetzt überlegt, warum Littern eigentlich Jugendliche?

00:13:35: Für die kann das auch ein Ausdrucksmittel sein.

00:13:38: Also dann gehört das irgendwie dazu und ist ein Teil der Jugendkultur dann auch mal was stehen zu lassen und danach sieht man dass man da gefeiert hat.

00:13:46: Der öffentliche Raum hat hier eine ganz besondere Bedeutung und deswegen finde ich ihn auch so interessant, auch für Kriminalität.

00:13:52: Denn wir wissen das Sicherheitsgefühl ist durchaus auch davon beeinträchtig.

00:13:57: Du hattest eben schon Social Disorder genannt – also soziale Desorganisationen.

00:14:02: Das macht was mit uns wenn wir einen vermüllten Raum sehen.

00:14:05: Da fühlen wir uns nicht so wohl, auch wenn wir da ja nicht ein Anzeichen für Straftaten sehen haben wir auch schon mal ne Folge zugemacht.

00:14:11: Und der öffentliche Raum ist auch immer wieder im Zentrum von Kriminalitätsdebatten.

00:14:15: Es geht oft um ein Sicherheitsgefühl im öffentlichen Raum, aber auch um Kriminalität im öffentlicher Raum.

00:14:20: also das macht Leuten eher Angst.

00:14:23: Auch darüber haben wir schon ausführlich gesprochen dass wir da keine Zunahmen haben, aber ich finde es hat irgendwie so einen ganz wichtigen Bezug der öffentlichen Raum und Kriminalitet.

00:14:32: Wenn wir uns das jetzt noch mal in Bezug auf Littering anschauen... Dann sind auch Nutzungskonflikte da.

00:14:37: ein ganz wichtiger Punkt, nämlich wer hat zu wenig Raum?

00:14:41: Wir haben eben schon mal gesagt, manche Menschen wohnen sehr beengt.

00:14:44: Die brauchen den Raum ganz anders als wenn ich in eigenes Zimmer habe einen Garten habe wo ich mich mit Leuten treffen kann und auch gerade Jugendliche haben die eigentlich Alternativen sich zutreffen.

00:14:54: Und ich hab da so ein Beispiel aus meiner Nachbarschaft Da ist so ein Kleingartenverein durch auch so einen öffentlichen Raum hin zum Supermarkt und da steht eine Bank.

00:15:05: Und eigentlich müsste man, finde ich mal diese Bank filmen einfach mal den ganzen Tag.

00:15:09: Diese Bank wird von so vielen Leuten genutzt als Jugendliche die da rumhängen aber auch mal ältere Leute die sich ausruhen bei Menschen mit dem Hund.

00:15:16: also diese Bank ist eigentlich dauernd belegt mit Menschen und daneben steht so ein Mülleimer der überhaupt nicht ausreicht.

00:15:22: das steht immer Müll daneben das Quilt immer über und dann isst man sehr schnell bei diesem Rewe wo ein großer Parkplatz ist und am Wochenende ist der voll mit Jugendlichen, die auf diesem Rewe Parkplatz abhängen.

00:15:34: Auch alles völlig vermüllt danach sowohl die Böschung daneben als auch der Parkplatz.

00:15:40: aber es ist ja auch ein Ausdrucksmittel dafür Die haben gar nicht einen anderen Raum, sich zu treffen.

00:15:45: Es gibt einfach viel zu wenig Räume für Jugendliche um sich zu treffen.

00:15:49: die paar Jugendfreizeiteinrichtungen reichen da sicherlich nicht aus und auch das ist weist auf so ein Schlüssel auch hin dass man hier auch Partizipatierräume schaffen muss aber auch Leute einbringen muss.

00:16:00: also wenn man sich selbst auch um den Raum kümmert den selbst mit geschaffen hat dann hat man ja auch ein Verantwortungsbewusstsein.

00:16:05: diese verschiedene Nutzungsinteressen haben wir natürlich auch im Bereich mit Menschen in Obdachlosigkeit leben oder drogensüchtig sind.

00:16:12: Das sind immer wieder so Konfliktpunkte, über die Stadtgesellschaften sich auch austauschen oder auch streiten.

00:16:19: Und ich glaube es ist auch deswegen relevant weil Innenstädte sich gerade wandeln.

00:16:22: das waren immer so die Konsumorte und heutzutage findet Konsum ja vermehrt im Internet statt.

00:16:28: große Kaufhäuser haben Probleme noch den Laden am Laufen zu halten und das wird wahrscheinlich über kurz oder lang dazu führen dass Innenstätte vielleicht immer Lehrer und Verweister werden für die Innenstädte auch eine neue Funktion finden muss, weil sonst eignen sich die Innen-Städte halt an.

00:16:46: damit was anfangen können.

00:16:47: Also insofern glaube ich, ist das ein ganz wichtiger Punkt zu öffentlicher Raum und da gibt es halt Bezüge zum Littering und es weist auch darauf hin dass wir hier bestimmte gesellschaftliche Konflikte haben mit denen wir uns umfassend beschäftigen müssen.

00:17:00: letztendlich fehlt natürlich auch oft das Verantwortungsbewusstsein so die Vorstellung der Staat kümmert sich darum die Kommune.

00:17:06: oder beim Festival Da gibt es dann ja eh die FestivalbetreiberInnen Die werden dann schon aufräumen bei Karneval da wissen wir dann läuft dann eh die Reinigung drüber am nächsten Tag.

00:17:13: also auch das ist natürlich ein Punkt.

00:17:15: Was gilt es jetzt zu tun?

00:17:17: Das ist auch wieder ganz spannend.

00:17:18: Du hast dich ja mit dem Thema neulich mal länger beschäftigt und mir dann ganz begeistert berichtet, dass du dich eigentlich in zwei Abenden sehr gut einlesen konntest weil es wirklich sehr viel Literatur dazu gibt und eigentlich auch schon viele Ansätze.

00:17:30: also man muss vielleicht auch noch einmal sagen Es wäre ganz spannend wenn man sich mit dem thema beschäftigt Und da vielleicht auch auf politischer Ebene was verändern will sich wirklich mal anzugucken was hat denn die wissenschaft da schon herausgearbeitet?

00:17:40: Die videoüberwachung die jetzt also im moment teilweise genutzt wird ist wieder einmal Quatsch.

00:17:47: Das haben wir in anderen Zusammenhängen ja auch schon gesehen, ich spreche nochmal unsere Folge an.

00:17:51: Das legt zum einen daran dass die Frage ist wird das überhaupt wahrgenommen?

00:17:56: Also merke ich überhaupt dass da eine Kamera ist und worum es hier eigentlich geht.

00:17:59: passiert dann auch was über gefilmt werden oder passiert nichts, dann verpufft das sehr schnell.

00:18:04: Dann hat das natürlich hohe Kosten für Personal aber auch Technik, dann funktioniert wieder etwas nicht, da muss wieder jemand kommen etc.. Und letztlich ist ein Phänomen für andere Kriminalbereiche bekannt, dass es meistens zur Verdrängung kommt.

00:18:15: Also wenn dann die Kamera eben auf diesen Platz guckt, dann geht man hinter den Bereich der Kamera oder Ähnliches.

00:18:21: Allgemein kann man sagen das die Maßnahmen dieses... gibt nicht allgemein gültig sind, also man kann nicht sagen mit dieser Maßnahme werdet ihr alle die Probleme los.

00:18:29: Es braucht integrierte Ansätze.

00:18:31: am besten ist es wenn man tatsächlich auch die Menschen die diese Räume nutzen mit einbezieht und gerade auch mit den Menschen sprechen die als in Anführungszeichen schwierig empfunden werden von denen man sagt naja die sind eigentlich wieder im Anführungstechen das Problem dann wirklich mal mit dem Sprechen sagen was was hier los?

00:18:46: Was passiert hier?

00:18:47: Die zentrale Frage ist eigentlich die man beantworten muss Warum kommt es dazu?

00:18:54: Und dann kommen man eigentlich schon auf relativ viele Lösungen.

00:18:57: Fehlts vielleicht an Alternativen zum Aufenthalt, dann muss man sich als Gemeinde statt Stadtteil Gedanken machen.

00:19:04: Kann man Räume für Jugendliche oder Menschen die sich ausruhen wollen, die vielleicht der Hitze entfliehen wollen wie auch immer schaffen.

00:19:10: Fehlt's vielleicht einfach an Mülleimern.

00:19:12: Stichwort diese Pizzakarton-Eimer.

00:19:14: Dann muss man da vielleicht erfinderisch werden.

00:19:15: und Es hilft auch sich nicht nur über diese Dinge Gedanken zu machen sondern wirklich mal hinzugehen Mit Expertinnen, die einem sagen das sehe ich denn als Forscherin.

00:19:23: Als Mitglied einer Nachbarschaftsgruppe, die da wohnt oder irgendeine anderen Anspruchskruppe was sehe ich hier?

00:19:30: Was sehe ich für Probleme?

00:19:31: Um

00:19:31: jetzt einfach mal so ein paar Maßnahmen zu nennen in welchen Bereichen man so gehen kann.

00:19:35: also einmal es kommt natürlich auf den Ort an aber wenn es einen Ort ist wo es spezifische Raumnutzer in gibt Das Stichwort Partizipation wie kann man Engagement auch erhöhen dass die Menschen sich mit dem ort verbunden fühlen dass sie da vielleicht etwas mitgestalten vielleicht Grünflächen mitgestalten, denn Orte die ich mit gestaltet habe wo ich mich einbringen kann, wo ich einen Bezug hab, die behandle ich einfach anders.

00:19:58: Stichwort Kommunikation.

00:19:59: auf das Problem aufmerksam machen da gibt es ja irgendwie Plakatkampagnen und dergleichen Bildung.

00:20:05: also dass auch zum Thema machen in Kita und Schule.

00:20:08: Anreizsysteme kann man auch überlegen, gerade so bei Festivals etwas was sich sehr bezahlt macht.

00:20:14: Dass man zum Beispiel um die Mühlsäcke verteilt und man kriegt vielleicht ein bisschen Geld wenn man diesen Müllsack voll zurückbringt.

00:20:19: also das sind auch so Möglichkeiten.

00:20:20: wie kann man es einfach ein bisschen anreizen dass Menschen sich da einbringen?

00:20:25: Überwachung und Interventionen kann natürlich auch eine Rolle spielen aber wir wissen oft ist das halt nicht langfristig und die Infrastruktur auch.

00:20:35: Also wo kann man überhaupt sein Müll abladen?

00:20:38: Das Stichwort Sperrmüll gibt es da, die Möglichkeit auch für Leute ohne Auto den Sperrrmüll gut loszuwerden.

00:20:44: Die Raumgestaltung und Qualität – das ist etwas, wo man ansetzen kann.

00:20:48: oder auch Veränderung des Konsumangebots.

00:20:50: also auch da sind wir ja dran.

00:20:52: dass bestimmte Tüten beispielsweise mittlerweile schon verboten werden wobei das gibt's ja auch noch viele Schlupflöcher.

00:20:58: aber auch so die Frage wie weit wird mehr weh geschürt?

00:21:03: Also auch da kann man ja ansetzen, wo der Müll quasi entsteht.

00:21:06: Wichtig ist dabei nicht belehrend sondern eher nett.

00:21:10: witzig kommunizieren hat sich gezeigt bringt es mehr.

00:21:13: also nicht mit dem erhobenen Zeigefinger.

00:21:16: Es gibt noch ganz nette Beispiele.

00:21:18: Einmal gab es in Köln auch eine Feldstudie, also schon länger her.

00:21:22: Da hat man die Sichtbarkeit der Behälter erhöht, indem man Orangene-Aufkleber draufgemacht hat und mit Nudging gearbeitet.

00:21:30: Wie kann man die Leute da ein bisschen hinführen?

00:21:32: Hat da Fußabdrücke auf dem Boden gemalt, die zu diesen Mülleimern führten ...

00:21:37: Nudzing bedeutet übrigens, Leute anstupsen, sie so auf eine Idee bringen.

00:21:41: Genau!

00:21:42: Also auch eine nette... Art und Weise, da geht es jetzt auch nicht um Sanktionierung.

00:21:47: Und ein sehr witziges Beispiel ist in Frankfurt gegeben.

00:21:50: Da gab es für die Mülleimer für Zigaretten so quasi Meinungsfilter, haben sie das genannt?

00:21:55: Da gab's dann so zwei Löcher wo man die Zigarettenkippe reinschmeißen konnte und da war dann so eine Frage In welchem Stadtteil kann man besser feiern?

00:22:02: Das eine noch stand quasi für den Einstattler, das andere für das andere.

00:22:05: Dann hat quasi abgestimmt indem er da die Kippe reingeworfen hat.

00:22:08: Das fand ich so ne ganz witzige Idee.

00:22:11: Gamowalls haben die auch aufgestellt also wo man so Kaugumis dran kleben konnte waren irgendwie so Smiley´s.

00:22:16: Also konnte man auch, es hatte auch so Gamification.

00:22:19: Und ja ich glaube das können so Wege sein dass man irgendwie versucht Humor folgt hier auch Verhalten zu verändern.

00:22:27: und damit sind wir am Ende der heutigen Folge.

00:22:29: zusammenfassend lässt sich sagen littering also das wegwerfen oder liegen lassen.

00:22:34: von Müll im öffentlichen Raum ist meistens keine Straftat aber es wirft spannende Fragen zum abweichenden Verhalten auf zur Verantwortung und umgang mit gemeinsamen Lebensraum.

00:22:46: Ursachen sind kognitive Dissolanz, Gruppendynamiken, Konsumverhalten und auch die Bedeutung des öffentlichen Raums.

00:22:52: Das menschliche Verhalten ist beeinflussbar.

00:22:55: Kontrollen und Strafen sind hier wenig erfolgsversprechend.

00:22:58: Man braucht eher Ansätze, die verschiedene Maßnahmen integrieren.

00:23:02: Vielen Dank fürs Zuhören!

00:23:03: Bis zum nächsten Mal!

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