Gruppenvergewaltigung

Shownotes

Vor allem die AfD bringt immer mal wieder das Thema Gruppenvergewaltigung in Deutschland als kriminalpolitisches Thema ein. Dabei zieht sie eine enge Verbindung zu Migration. In dieser Folge gehen wir anhand eines Antrags der AfD-Fraktion im NRW-Landtag der Frage nach, was über dieses Phänomen bekannt ist und inwiefern in dem Diskurs etablierte Narrative bedient werden.

Zum Nachlesen: Wollinger, G. R. (2026). Gruppenvergewaltigung im politischen Diskurs. Kriminologi-sche Einordnung einer migrationspolitischen Problemdeutung. Kriminalistik, in press.

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00:00:01: Herzlich willkommen bei True Criminality, dem Kriminalogie-Podcast.

00:00:05: In diesem Podcast widmen wir uns aktuellen kriminologischen Themen.

00:00:09: Wer mehr zur Ausmaß-, Hintergründen und Ursachen von Kriminalität erfahren will, hört gerne noch mal in die Folgen eins bis fünfzig rein!

00:00:16: Ich bin Nicole Bögelein, Soziologin & Kriminologin an der Universität zu Köln

00:00:21: Und ich bin Gina Wollinger, Sozologin&Kriminologin.

00:00:28: Heute möchten wir uns einen bestimmten Phänomenbereich oder auch Diskussionsthema widmen, was sehr schwerwiegend ist.

00:00:36: Die sogenannte Gruppenvergewaltigung.

00:00:38: Warum wir die aufgreifen hat aber vor allem etwas um die Diskussionen darum zu tun nämlich dass dieses Thema gerade von der AfD in den letzten Monaten immer wieder so in die Öffentlichkeit gebracht wurde und hier immer wieder ein Bezug zur Migration gesetzt wurde.

00:00:55: Wir haben über Migration und Kriminalität schon mal in einer der vorherigen Folgen gesprochen.

00:01:00: Letztendlich ist dieser Zusammenhang zwischen Migration- und Kriminalität ja viel diskutiert, das ist jetzt nicht neu.

00:01:07: die Diskussion auf früher schon da hat man eher dann als Ausländerinnenkriminalität bezeichnet war das schon oft ein Diskussionsthema.

00:01:16: heute redet man an eher von Kriminalitet und Zuwanderung oder Migration aber es ist letztendlich wie gesagt schon oft Ein Thema gewesen.

00:01:25: Wir waren letztens in der Ausstellung Haus der Geschichte im Bonn, erinnere ich mich gerade.

00:01:29: Und da war ein Teilbereich über die sogenannte Gastarbeiterzeit und da gab es auch so Zeitungsausschnitte wo es genau darum ging ob jetzt durch die Gastarbeiter in Kriminalität zunimmt und was für Straftaten die begehen.

00:01:41: also Es ist erst mal so nichts Neues und wir haben in diesem Zusammenhang schon häufiger auch darüber gesprochen, dass dieses Thema nicht tapoisiert wird wie es oft genannt wird oder nicht erforscht wird.

00:01:53: Ganz im Gegenteil auch das ist sogar wissenschaftlich belegt, dass das Thema schon lange auch im krimiologischen Intensiv beforscht werden.

00:02:01: Es ist aber auch gleichzeitig stark in Politik und Medien präsent.

00:02:06: Aber was jetzt die AfD vornimmt, ist dass sie eben so eine politische Rahmung der Thematik überhaupt macht.

00:02:13: Sie greift Sicherheit und Kriminalität politisch auf

00:02:18: und

00:02:18: setzt dann ein Fokus darauf, dass sie Migrationen und Kriminalität immer zusammen verbindet, denkt diskutiert und immer so in einem Atemzug nennt das man den Eindruck haben könnte, dass eine geht unmittelbar mit dem anderen einher Und sie fokussieren dann nicht auf irgendeine Art von Kriminalität, sondern setzen den Schwerpunkt auf die Gewaltkriminalität.

00:02:40: Machen damit auch immer so ein Bild vom ... Ich sag das jetzt in Anführungszeichen gefährlichen Ausländer also dieses Narrativ.

00:02:46: Auch das kennt man lange schon.

00:02:47: aber das wird immer mitbedient und Sie setzen dann nicht nur Gewalt-Kriminalität sondern im besonderen noch mal einen Fokus auf sexualisierte Gewalt.

00:02:56: In jüngerer Zeit haben sie dann das Thema Gruppenvergewaltigung als politisches Thema erkannt.

00:03:03: Das

00:03:03: wollen wir jetzt mal aufgreifen, und zwar anhand eines Antrags der AfD-Fraktion in Nordrhein-Westfalen.

00:03:11: Wir stellen erst kurz den Antrag dar, weil man hier auch verstehen kann wie die AfD argumentiert was deren Logik ist und dann werden wir den Inhalt einordnen.

00:03:21: Insofern geht es heute so um Zweierlei.

00:03:23: Also einmal, wie wird eigentlich ein Thema auch instrumentalisiert?

00:03:27: Wie argumentiert da die AfD?

00:03:29: aber wir wollen uns auch mal angucken was ist denn jetzt eigentlich dran an diesem Vorwurf?

00:03:34: Gruppenvergewaltigung ist so stark in Deutschland vertreten.

00:03:37: Was wissen wir über die Hintergründe?

00:03:39: Interessant ist, wenn man sich mal anschaut wie AfD auch funktioniert oder argumentiert dass sie häufig auch so kleine Anfragen macht und aufgrund der Befunderegebnisse Antworten auch sich darauf stützt.

00:03:51: Das heißt die AfD nutzt jetzt nicht alleine die polizeiliche Kriminalstatistik als zentrale Quelle sondern nimmt auch Antworten aus so kleinen Anfragen die sie auf Landes- und Bundesebene gestellt hat.

00:04:04: Und diese Kleinen Anfragen sind auch häufiger schon mal zur Diskussion geworden, weil sie einfach so übermäßig gemacht werden.

00:04:14: Also Parteien haben ja die Möglichkeit kleine Anfragen an Ministerien zu senden und bestimmte Informationen dadurch zu gewinnen.

00:04:21: aber Bei der Vielzahl, die die AfD Kleine Anfragen verschickt kann man sich wirklich fragen ob es hier wirklich nur um Erkenntnisgewinn geht oder ob es vor allem auch darum geht wirklich strategisch eine hohe Belastung von Ministerien auszuüben.

00:04:36: Die nämlich wirklich teilweise überlastet sind damit und es gibt sogar in bestimmten Bereichen den Vorwurf, dass die AfD hier so sicherheitsrelevante Erkenntnisse sammelt und diese Informationssammlung sogar für Russland interessant sein könnte.

00:04:50: Also auch andere Interessen bedient.

00:04:52: das auf jeden Fall.

00:04:53: auch bei so einer kleinen Nebeninformation dieser kleinen Anfragen der AfD, die doch als strategisches Instrument gesehen wird, bestimmte Ministerien jetzt lahmzulegen werden ein bisschen zu viel gesagt aber wirklich zu überlasten.

00:05:05: sie ist auf jeden fall die Partei.

00:05:11: Aber jetzt zurück auf Landesebene, wir wollen uns ja fokussieren auf den Antrag der in Nordrhein-Westfalen konkret gestellt wurde.

00:05:18: Also im Landtag Nordrhen Westfalen.

00:05:21: und die zentrale Annahme in diesem Antrag ist die das Gruppenvergewaltigungen ein wachsendes Problem sein also dass sie zunehmen würden zahlenmäßig stärker ins Gewicht fallen und dass man sich diesen Thema annehmen müsse.

00:05:35: Sie beziehen sich mit dieser Annahme auf Sonderauswertungen aus der polizeilichen Kriminalstatistik, kurz PKS.

00:05:42: Und die Daten, die sie nutzen, stammen teilweise auch aus kleinen Anfragen, die vorher schon mal gestellt waren.

00:05:49: Also es werden Dinge aufgegriffen, die man aus anderen Anfragern schon

00:05:52: kannte.".

00:05:53: Ja,

00:05:53: dabei behauptet sie es gibt einen starken Zusammenhang zwischen Migration und Gruppenvergewaltigung.

00:05:58: Wir kommen dazu später auch noch mal.

00:06:00: aber hier schonmal sei gesagt Es gibt in Deutschland keinen Paragrafen Gruppen Vergewaltigungen Das gibt es so als Straftatbestand einzeln nicht.

00:06:08: die AfD stützt sich auf § one hundred seventy Strafgesetzbuch das ist quasi der Paragraf wo auch Vergewaltung definiert ist.

00:06:16: Und da gibt es den Absatz sechs.

00:06:17: und dann gibt es halt dieses Merkmal dass man gemeinschaftlich gehandelt hat Und darauf stützt sie sich beziehungsweise in ihren Anfragen dann auch immer noch dieses Merkmal dazu nicht allein gehandelt.

00:06:30: Wie sieht das aus?

00:06:31: Also, zwanzig-vierundzwanzig waren das in NRW zweihundertneunzehn Fälle wobei man jetzt wenn man die Jahre davor nimmt nicht sagen kann dass wird jetzt immer mehr sondern es gibt da einfach Schwankungen.

00:06:43: also zwanzigszwanziger auch mal mehr Fälle zwanziges Zwanzig wieder weniger Dreiundzwantig weniger als Also.

00:06:50: es gibt ja jetzt keinen klaren Trend, den man sehen kann.

00:06:53: Man kann sagen so ungefähr zwei Hundert Fälle im Jahr.

00:06:57: Der Anteil nicht deutscher Tatverdächtiger ist in Anfangstrichen überproportional gemessen an dem Bevölkerungsanteil nämlich für Zwei-Tausendvierundzwanzig-Achtenvierzig Prozent.

00:07:07: Dann wird hier aber nicht nur die Staatsangehörigkeit herangezogen sondern man versucht auch der Migrations Hintergrund abzuleiten über Vornamen.

00:07:18: Man hat nämlich in vorherigen Kleinen Anfragen mal gefragt, wie sind denn die Vornamen der Tatverdächtigen?

00:07:24: und hat dann sortiert.

00:07:25: Welcher Vorname hört sich jetzt nach einer Migrationsgeschichte an?

00:07:29: Und welcher klingt Deutsch?

00:07:32: Das kennen wir ja schon.

00:07:33: das haben sie auch im anderen Zusammenhang einmal auf der Bundesebene gemacht als Sie gefragt haben Wie sind eigentlich die Vorenamen derjenigen die Grundsicherung beziehen?

00:07:41: und dass ist wirklich eine perfide Logik weil da so ne Form der Kulturalisierung des zugehörig seins eigentlich stattfindet.

00:07:49: also der gedanke dass menschen die deutschen pass haben einfach deutsch sind punkt der reichte afd nicht das passt ja auch zu ihrem programm sondern es geht hier wirklich darum dass man eigentlich erheben will sind denn die menschen auch in der generation vorher und vor her und vorher schon deutsch und haben entsprechend vornamen die man als deutsch lesen würde?

00:08:09: genau also das ist natürlich sehr fragwürdig.

00:08:11: ich habe auch kein deutschen vorname und hab trotzdem keine migrationsgeschichte die mich jetzt irgendwie geprägt hat.

00:08:17: Insofern ist das natürlich ein sehr fragwürdiges Vorgehen.

00:08:21: Dann wird auch mit Polen verglichen und das ist etwas, was uns jetzt schon mal im anderen Kontext auch begegnet ist.

00:08:26: also auch da scheint irgendwie so etwas zu sein, was glaube ich auch dieser Sender News irgendwie auch ganz viel betreibt.

00:08:32: woher das auch immer kommt?

00:08:33: Ich weiß es gar nicht so genau!

00:08:35: Aber dieser Vergleich mit Polen wohl anscheinend alles besser ist quasi, weil es da keine Migration gibt.

00:08:40: Das ist die jetzt verkürzt dargestellte Argumentationslogik und so wird das hier auch dargestellt.

00:08:46: Es gibt weniger Gruppenvergewaltigung, Polen hat auch weniger Migration.

00:08:50: Das ist wirklich interessant, weil du es grade sagst.

00:08:52: Diese Anfragen kam jetzt bei uns tatsächlich auch schon vorher mal.

00:08:55: also ein Vergleich mit Polen.

00:08:57: da scheint irgendeine Strategie dahinter zu stecken.

00:09:00: Also man sucht sich einen Land aus von dem man glaubt das würde mit dem übereinstimmen was man selber als Zielvorstellung vielleicht hat und dann sagt man warum ist es da besser?

00:09:08: Also ganz spannend während wir kennen ihn.

00:09:10: vergleich ins Ausland das ist ja durchaus üblich dass eben auch in der Forschung, in anderen kriminellologischen Themen guckt.

00:09:17: Spanien macht das irgendwie ganz gut mit mehr Rechten von Frauen auch im Strafgesetzbuch deutlich zu machen.

00:09:23: also sind dagegen häusliche Gewalt und so sind da die Urteile ganz andere.

00:09:27: Und hier scheint aber der Bezug... Also dann orientiert man sich wirklich am Inhalt und hier scheint der Bezug zu sein.

00:09:32: Wir gucken uns was an wie wir es gerne hätten und suchen uns dann irgendwelche Zahlen die beweisen dass das besser ist.

00:09:38: Wir gehen auch gleich nochmal auf die Punkte ein, wie sie jetzt einzuordnen sind.

00:09:42: Aber wenn wir noch mal dabei bleiben, jetzt den Antrag darzustellen gehört zur Vollständigkeit noch dazu das auch auf einen großes Dunkelfeld bei Sexualdelikten hingewiesen wird Das will die AfD mit diesem Antrag, dass das Problem gesehen wird vor allem im Zusammenhang mit dem vermeintlichen Migrationsbezug dass es höhere Strafrahmen gibt, auch die Mindeststrafe erhöht wird.

00:10:03: Dass es zur regelmäßigen Sonderauswertung kommt und das nicht-deutsche Tatverdächtige mehr abgeschoben werden oder verurteilte Täter wahrscheinlich.

00:10:14: Ferner plädiert sie in dem Antrag dafür, dass Präventionopferschutz mehr gestützt wird und dass es auch regelmäßig dunke Feldstudien

00:10:22: gibt.".

00:10:23: So, jetzt kommen wir mal zu einer krimiologischen Einordnung.

00:10:26: Erstmal zu dem Begriff Gruppenvergewaltigung.

00:10:29: Wir haben eben schon gesagt es gibt das nicht als eigenen Straftatbestand.

00:10:32: Es gibt aber im deutschen Strafrecht diese Kategorien Mithederschaft oder Teilnahme Das heißt, unabhängig von der Straftat als solche kann man jemanden Mitgliederschaft verurteilen oder als Teilnahmehandlung.

00:10:47: Es gibt noch den Bestand Straftaten aus Gruppen an denen könnte man jetzt hier auch noch denken.

00:10:52: aber der hat in der Realität eigentlich gar keine wirkliche Relevanz weil er sehr unscharf ist.

00:10:57: und wenn man sich anguckt in der PKS sind ja auch kaum Fälle die da reinsortiert werden.

00:11:02: also das Das ist sicherlich juristische Gründe, dass der eigentlich gar nicht so zur Anwendung kommt.

00:11:08: Es gab bis zum Jahr zwei Tausend achtzehn in der PKS noch eine Kategorie Vergewaltigung überfallartig durch Gruppen und eine Kategory Vergewaldigung durch Gruppe.

00:11:18: Die ist aber auch sehr unscharf gewesen und wurde deswegen aufgegeben.

00:11:22: Deswegen haben wir jetzt eigentlich keine wirkliche gute Anknüpfungspunkt für so Hellfelddaten wo das so richtig erfasst wird.

00:11:31: Und die PKS erfasst Kein Migrationshintergrund im eigentlichen Sinne.

00:11:34: Wir haben ja dazu auch schon mal eine einzelne Folge gemacht, wo wir da ausführlich drauf eingehen sondern sie erfasst die Staatsangehörigkeit.

00:11:41: man kann sich also deutsche versus nicht-deutsche Tatverdächtige anschauen und seit einigen Jahren noch diese zusätzliche Kategorie Zuwanderung wobei hier vor allem Fluchtzuwanderungen gemeint ist.

00:11:52: Es gibt jetzt für das Jahr zwei Tausend Siebzehn eine Sonderauswertung des Bundeskriminalamtes BKA Die zeigt dass für das PKS Jahr zwei tausend siebzehnt von gemeinschaftlich begangenen Vergewaltigungen in Deutschland registriert waren.

00:12:07: Im Vergleich zu den Vorjahren zeigten die Zahlen Schwankungen, du hast ja vorhin auch schon darauf hingewiesen, dass es auch in NRW-Schwankungen gibt und auch hier hat sich kein klarer Auf- oder Abwärtstrend erkennen lassen.

00:12:19: Fast alle Tatverdächtigen, Im Vergleich zu anderen Sexualdelikten waren die Tatverdächtigen häufiger minderjährig und sie hatten seltener eine deutsche Staatsangehörigkeit.

00:12:38: Die tatverdägigen Gruppen bestanden überwiegend aus drei bis vier Personen, und sie waren sich so zudemografisch sehr ähnlich also in Bezug auf das Alter, auf das Geschlecht und auf die Staatsangeheurigkeit.

00:12:50: aber diese Sonderauswertung kann nicht mit den Daten der kleinen Anfrage der AfD verglichen werden weil es da einfach ne andere Erfassungsloge gibt.

00:13:00: In NRW wurden Daten aus einem Vorgangsbearbeitungssystem auch mit einbezogen, das ist bei der PKS nicht der Fall.

00:13:08: Der Anteil nicht deutscher Personen, die wegen einer Vergewaltigung jetzt unabhängig von der gemeinschaftlichen Tatbegehung tatverdächtig sind ist höher als es ihrem Anteil der Wohnbevölkerung entspricht.

00:13:18: Also das ist ja etwas was wir durchaus auch bei Gewaltkriminalität haben, auch bei Sexualdelikten.

00:13:24: wenn man das vergleicht mit dem Anteil in der Wohn Bevölkerung muss man sagen Ja der ist höher!

00:13:28: In der PKS zwanzig vierundzwanzig waren es so um die vierzig Prozent der Tatverdägigen die keinen deutschen Pass hatten.

00:13:36: Der Anteil von in Deutschland lebenden AusländerInnen liegt ungefähr bei fünfzehn Prozent, also insofern ist das erhöht.

00:13:42: Die tatverdächtigen Belastungszahl – die Zahl, die das so ins Verhältnis setzt wie groß der Anteil ist gemessen zur Größe der Gruppe in der Wohnbevölkerung – liegt bei deutschen Personen bei zehn und bei nicht Deutschen bei thirty-fünf.

00:13:57: Wir haben aber schon mal darauf aufmerksam gemacht in der Folge zur Migration und Kriminalität, dass dieses Insverhältnis setzen halt einfach sehr schief ist.

00:14:06: Dass das nicht so gut gelingt einmal wenn man sich die reinen Zahlen der Tatverdächtigen anschaut weil da halt nicht nur Menschen sind die Deutschland wohnen Aber auch weil die Gruppen dazu gewanderten, nicht Querschnitte der Gesellschaft sind sondern eher männlich und jung.

00:14:20: Und aber auch weil wir wissen dass einfach Menschen, die als Nicht-Deutsch wahrgenommen werden viel häufiger angezeigt oder polizeilich kontrolliert werden.

00:14:29: Also es gibt da ganz viele Verzerrungsfaktoren Die so einen Vergleich immer sehr schwierig machen.

00:14:35: Im Bundeslagebild Kriminalität im Kontext von Zuwanderung des BKA werden Angaben für Tatverdächtige gemacht, die einen Zuwänderungsstatus aufweisen.

00:14:46: Dabei wird versucht, die Fluchtzuwanderungen zu erheben und von allen tatverdägigen im Bereich der Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung waren sieben Komma neun also knapp acht Prozent Zuwander innen.

00:14:59: dabei wurden sechs Straftat registriert, die aus Gruppen heraus begangen wurden.

00:15:05: Und der Deliktschwerpunkt von ZuwanderInnen liegt hier bei Eigentumsdelikten.

00:15:10: Sexualkriminalität durch zugewanderte Personen sind kein Massenphänomen, muss man hier also nochmal

00:15:16: festhalten.".

00:15:22: bestimmte Menschen so gemeinschaftlich das durchführen.

00:15:27: Also sehr schwerwiegende Taten, ich will die jetzt auch nicht abschwächen.

00:15:30: aber man muss sagen eine gemeinschaftliche Tatbegehung muss nicht sein dass alle gemeinschaftlichen die Tat ausführen sondern es kann auch bestimmte Handlungen sein die mit das verursachen oder mit vielleicht ein Opfer zu führen.

00:15:43: oder denken wir an so etwas wie Sexualisierte Gewaltdarstellungen, was so als Kinderpornografie häufig genannt wird.

00:15:51: Also auch da dieses untereinander teilen und so können auch gemeinschaftliche Begehung sein.

00:15:57: Das muss man sich auch noch mal vor Augen halten bei diesen ganzen Zahlen die man sich da anguckt jetzt unter Gruppenvergewaltigung fallen dass das nicht alles Taten sind wo jetzt mehrere Männer zeitgleich quasi eine Frau festhalten und vergewaltigen sondern dass da auch ganz unterschiedliche Tatkonstellationen die in diese Mitheterschaft fallen hineingehören jetzt abschwächen zu wollen.

00:16:19: Ja, wir wissen natürlich das Hellfeld entspricht nicht der Realität.

00:16:23: es gibt eine hohe Dunkelziffer gerade bei Sexualdelikten.

00:16:26: über neunzig Prozent zeigen nicht an.

00:16:30: dass hat man auch in der aktuellen sogenannten Lesubia Studie des Bundeskriminalamts gesehen.

00:16:36: die haben wir vor kurzem auch im eigenen Podcast Folge vorgestellt und da zeigt sich viele nicht anzeigen.

00:16:43: Drei Prozent der Frauen, die sexualisierte Gewalt erleben zeigen an, vierzehn Komma fünf Prozent der Männer.

00:16:48: also es ist einfach total gering und deswegen ist es auch schwierig etwas über diese Hellfelddaten jetzt an Erkenntnis zu gewinnen gerade auch was Tatverdächtige anbelangt oder Täter gar die sind ja auch nicht verurteilt die in diesen polizeilichen Kriminalstatistiken festgehalten sind.

00:17:05: Also Es ist sehr schwierig über das hellfeld hier wirklich eine gute Erkenntnislage zu bekommen.

00:17:10: Insofern ist der AfD-Antrag problematisch, das was man da versucht zu rahmen des Problems.

00:17:18: Weil wir wissen einmal vergleicht tatwärtig die gewerces Bevölkerung ist problematische Einflussfaktoren Aber natürlich auch dieses Vornamen als Indikator für Migrationsbezug.

00:17:28: Also es sagt ja überhaupt nichts dazu aus, ob jemand überhaupt einen Migrations-Bezug hat oder welche Relevanz das hat oder wie diese Person sozialisiert wurde oder welcher Lage die ist.

00:17:37: also... Das ist wirklich sehr fragwürdig!

00:17:40: Und dieser Ländervergleich zu Polen hat mir auch aufgegriffen, dass wir den jetzt häufiger mal so sehen.

00:17:45: Auch das ist sehr schwer zu vergleichen weil es gibt einfach unterschiedliche Rechtssysteme in beiden Ländern und damit auch unterschiedliche Erfassungskriterien und Linien.

00:17:55: also die PKS in Deutschland, die man ja auch erstmal verstehen muss wie sie erfasst um sie wirklich interpretieren zu können.

00:18:01: Das ist ja in anderen Ländern ähnlich, dass sie dann auch wieder ihre eigenen Erfassungsrichtlinien hat.

00:18:07: Man kann es nicht genau vergleichen, auch weil Strafverfolgung und das Rechtssystem einfach anders ablaufen.

00:18:12: Deswegen ist das schwierig, so direkt miteinander zu vergleiche.

00:18:16: Insgesamt ist es vielleicht noch mal wichtig, was wir in der Kriminalologie immer wiederholen, wenn wir versuchen den Zusammenhang von Kriminalität und Migration einzuordnen.

00:18:26: Das Wichtigste ist, Kriminalitet ist multifaktoriell.

00:18:29: Es gibt nicht einen Faktor, der erklärt, warum sich ein Mensch Abweichen verhält oder ... im Allgemeinen Sprachgebrauch dann eben kriminell wird.

00:18:37: Was wir wissen, ist dass Migration alleine nie Kriminalität erklärt.

00:18:42: Vielleicht ist Migration ein Einflussfaktor auf andere Variablen die damit im Zusammenhang stehen aber Migration ist nicht ursächlich für Kriminalität.

00:18:51: Es wird häufig behauptet das Menschen mit Zubahnrausgeschichte mehr soziale Belastungsfaktoren haben oder eine andere kulturelle Prägung mitbringen würden.

00:19:00: Aber in der Konsequenz wird Kultur dabei auch oft überbetont, weil man es dann so als feststehend betrachtet und davon ausgeht dass das vorher bestimmt wie Verhalten eben abläuft.

00:19:13: Das ist aber nicht so.

00:19:14: also auch in Deutschland verändert sich die Kultur.

00:19:16: auch innerhalb eines vermeintlichen Kulturraumes gibt es Wandel und Veränderung.

00:19:21: In diesem Antrag von der AfD zieht sich die implizite Annahme durch dass Herkunft oder Migration stark mit Verhalten verknüpft sein.

00:19:30: Und Herkünft ist ja in diesem Zusammenhang auch schon wieder sehr weit gefasst, es scheint offensichtlich nicht um die Herkunst eines Individus zu gehen sondern auch dessen Familie

00:19:39: etc.,

00:19:39: wenn man über diese Vornamen und so geht.

00:19:41: das zieht sich aber wie ein roter Faden durch die Argumentation also die Verknüpfung von Migration und Kriminalität und dieses Verständnis reproduziert dann rassistische Vorstellungen nach denen bestimmte Menschengruppen einfach Ich spreche wieder ein Anführungszeichen von Natur aus anders oder wesensmäßig unterschiedlich sein.

00:20:00: Und das ist letztendlich, was wir hier sehen auch nichts Neues, sondern dieses Narrativ gerade auch vom sexuell übergriffigen fremden Mann – dass es historisch und kulturell stark verankert hat.

00:20:11: Das gab es schon im Mittelalter.

00:20:12: da wurde es eher auf Minderheiten wie auf Juden bezogen.

00:20:15: oder auf Sinti See und Romja die als Sexualstraftäterin dargestellt wurden wurden dabei immer diskriminiert.

00:20:25: Man hat Vertreibung und Gewalt gerechtfertigt, dass man diese Gruppen benachteiligt.

00:20:30: in der Kolonialzeit gibt es dieses Stereotyp auch.

00:20:33: Es wurde noch mal weiter verstärkt dann mit dem schwarzen sexuell übergriffigen fremden Mann.

00:20:39: also das ist auch etwas was so tief verankert ist Was dann auch immer wieder so ein bisschen zum Vorschein kommt, wenn solche Ausdrücke wie unsere Frauen oder der schwarze Mann, der unsere weiße Frau überfällt.

00:20:52: Da sind ganz starke ... kulturell verankerte Anknüpfungspunkte.

00:20:57: Heute werden ähnliche Bilder vor allem im anti-muslimischen Rassismus reproduziert, wir sehen und das zeigt sich ja auch in diesem Antrag dass vor allem Muslime pauschal als gefährliche Männer dargestellt werden.

00:21:07: wird das Opfer als weiße Frau dargestellt dann erhöht es das zusätzlich diesen gefühlten Unrechtsgehalt der Tat und verstärkt die emotional wirksame Projektion.

00:21:18: Also man hat da noch mal so ein starkes, die Gewalt von außen kommt auf das Innere auf uns sozusagen, die angegriffen werden.

00:21:26: Und das entlastet natürlich die Mehrheitsgesellschaft weil dann hat es ja gar nichts mit uns zu tun sondern dass ist ja etwas was von außenkommt und was man quasi nur dagegen halten muss und abschieben muss oder so.

00:21:38: Und das entspricht nicht der Realität, denn sexualisierte Gewalt findet auch in Deutschland von deutschen Stadt.

00:21:46: Es ist auch tief in unsere Gesellschaft

00:21:49: verankert.".

00:21:50: Wie lassen sich dann jetzt die politischen Forderungen, die die AfD ja auch mit dieser Anfrage verknüpft hat beurteilen?

00:21:56: Zum einen die Strafverschärfung was immer ein Thema ist wenn es um Kriminalität geht hier nochmal ganz besonders Auch da können wir nur sagen es gilt wie überall.

00:22:06: Dazu haben wir schon diverse Folgen gemacht zur Wirkung von Strafen.

00:22:09: Sie ist wenig wirksam, also es gibt eine geringe Abschreckung einfach.

00:22:14: Das Problem ist hier die niedrige Anzeigekwote.

00:22:17: Die Polizei bekommt das überhaupt nicht mit und würde auch ne Strafverschärfung nichts helfen.

00:22:23: Und insofern ist ein Widerspruch in sich.

00:22:27: Grundsätzlich sinnvoll ist es wenn ... Antrag auch gefordert wird, dass es eine bessere Datenlage geben soll.

00:22:33: Da sind wir als Kriminaloginnen ja immer dabei.

00:22:35: Das sehen wir grundsätzlich als sinnvoll an aber das sollte eben nicht in der Fokussierung auf Vornamen passieren.

00:22:42: also das ist schon wirklich absurd und es sollte dann auch nicht allein um Gruppenvergewaltigungen gehen.

00:22:48: die Forderung nach mehr Abschiebung ist aus kriminellogischer Sicht keine Problemlösung weil sie überhaupt nicht an die Ursachen herangeht.

00:22:56: Es gibt ne ganz große Zahl von verschiedenen Aufenthaltsstatus, die eine Abschiebung nicht möglich machen.

00:23:03: Und wenn man aber sich darauf erschärft, dass es nur dadurch sich ändern könne, kommt man damit dem Problem auch überhaupt nicht bei.

00:23:09: Außerdem ist ne Abschiefung von Sexualstraftätern in die Herkunftsländer auch ehrlich gesagt unsolidarisch gegenüber den dortigen Frauen.

00:23:16: Jedenfalls, wenn man die Täter dort nicht oder kaum strafrechtig verfolgen wird und es dort auch keine therapeutische Behandlung geben wird.

00:23:25: Dadurch wird die Sicherheit und der Schutz von Frauen vor sexualisierter Gewalt nicht gewährleistet.

00:23:30: Und es steigt auch das Risiko, dass sich Taten wiederholen könnten.

00:23:34: Prävention- und Opferschutz wurden noch gefordert.

00:23:37: Das ist natürlich grundsätzlich positiv, sollte aber auch hier breiter gedacht werden und nicht nur in Richtung Gruppenvergewaltigung.

00:23:45: Damit sind wir am Ende unserer heutigen Folge.

00:23:47: Zusammenfasst lässt sich sagen... Die Datenlage im Bezug auf Gruppenvergewaltigung ist begrenzt und sehr interpretationsanfällig.

00:23:56: Das politische Narrativ aber des gewalttätigen

00:24:00: fremden

00:24:01: Mannes, der sexualisierte Taten ausführt – das ist lange in unserer Kultur verankert und es gibt keine krimiologische Evidenz dafür.

00:24:10: Vielmehr sehen wir in dem Antrag der AfD wieder eine sehr starke Vereinfachung komplexer Ursachen des Problems auf Herkunft statt Strukturfaktoren.

00:24:21: Letztendlich müssen wir Sexualkriminalität als breit in unserer Gesellschaft verankert begreifen und um wirklich ursachenspezifisch dagegen vorzugehen.

00:24:33: Vielen Dank fürs Zuhören, bis zum nächsten Mal!

00:24:35: Bis dahin.

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